Bauhaus-Universität Weimar

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Der Lachkrampf und der Kitzel. 
gegenwärtig halten, dass die Freude auch noch andre Aus- 
drucksformen hat und dass das Verhältniss zwischen ihr und 
dem Lachen kein so inniges und charakteristisches wie zwischen 
dem Lächerlichen und dem Lachen ist. Das Lachen ist 
also der Ausdruck der Freude; aber auch mit den 
eben angegebenen Einschränkungen erheben sich gegen unseren 
Satz sogleich noch weitere Bedenken. Das Lachen auf Kitzel 
und der Lachkrampf scheinen dagegen in wirksamster Weise 
Protest zu erheben. Das Wesen des Lachkrampfes ist uns 
unbekannt ; derselbe kann aber als pathologische Reizung der 
bei der Respiration betheiligten Muskelgruppen oder Nerven- 
centren unsere Theorie des Lachens nicht beirren; da 
es nichts Auffälliges hat, dass die pathologische Reizung 
eines Nervencentrums dieselben Erscheinungen in den von 
ihm versorgten Muskelgruppen hervorbringt wie die normale 
Funktion. 
Was insbesondere den Lachkrampf der hysterischen, nervösen, 
ehlorotischen, auch epileptischen Personen betrifft, so sehen wir ihn 
auf jede stärkere Erregung, Schmerz, Trauer, Freude, Aerger 
u. dergl., bisweilen auch ohne alle merkliche Veranlassung ein treten. 
Jeder Affekt, jede stärkere Erregung, ja bisweilen die gewöhnlichen, 
mit der normalen Lebensfunktion verbundenen Reize reichen hin, 
das Athmungs - Centrum in die heftigsten reaktiven Innervationen 
zu versetzen. Das Lachen tritt auch hier als eine Affektwirkung auf, 
es ist eben die Art der Affekte, d. i. stärkerer Reizungen, alle 
möglichen Nervencentren und die von ihnen abhängigen Organe in 
Mitleidenschaft zu ziehen, sie entweder in erhöhte Thätigkeit oder in 
einen Zustand der Lähmung zu versetzen , ein Verhältniss, das wir in 
der Lehre von den Affekten specieller zu betrachten haben. Das 
Krankhafte in unsrem Falle besteht nur darin, dass die Wirkung des. 
Affektes wegen krankhaft verminderter Widerstands- und Leistungs¬ 
fähigkeit des betreffenden Nerven - Centrums schon auf schwache oder 
nicht homologe Reize (was in diesem Falle dasselbe ist) eintritt. 
Wie steht es nun aber mit dem Lachen auf Kitzel? Zunächst ist 
einem Irrthum entgegenzutreten, der Ewald Hecker in seiner oben er¬ 
wähnten Schrift über das Lachen und das Komische untergelaufen ist. 
Der Kitzel scheint mir keineswegs bloss durch schnell auf einander¬ 
folgende intermittirende Reizanstösse, wie der genannte geistvolle 
Schriftsteller a. a. O. S. 7 behauptet, hervorgebracht zu werden. Vielmehr 
giebt sowohl eine einmalige kurzdauernde, als eine langanhaltende
        

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