Bauhaus-Universität Weimar

Erstes Buch. 
Yon den Gefühlen im Allgemeinen. 
1. Stellung der Gefühle im Ganzen des Seelenlebens. 
Die bisherigen Analysen, die Analysen der Empfindung^ 
der Vorstellung, des Bewusstseins, der Erinnerung, des 
Denkens haben das übereinstimmende Resultat ergeben, dass 
allen diesen seelischen Processen ein und dasselbe einfache 
Element: Lust und Unlust in Verbindung mit der unmittel¬ 
bar daraus folgenden Reaktionsbewegung zu Grunde 
liege. Wenn wir uns nun zu den Lust-Unlustzuständen selbst 
wenden, so könnte unsere Aufgabe uns auf den ersten Anblick 
gar zu einfach erscheinen, es könnte scheinen, als wäre uns 
dieselbe durch die bisher geschilderten Entwicklungen, die ja 
doch Nichts weiter sind als Entwicklungen des Gefühls, vor¬ 
weggenommen, als bliebe vom Gefühl ausser dem, dass es 
sich zur Erinnerung und zum Denken entwickle, nicht weiter 
viel zu sagen, höchstens einige zurückgebliebene, auf halbem 
Wege stehen gebliebene Entwicklungen, könnte man meinen, 
wären unter diesem Titel noch zu behandeln. Indess das 
wäre ein Irrthum, den die Erfahrung alsbald widerlegt. 
Gerade das Gefühlsleben zeigt sich von besonderer Mannich- 
faltigkeit, Tiefe und Lebendigkeit. Wenn wir in den letzten 
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Kapiteln des vorigen Abschnittes darauf hinzuweisen hatten, 
dass die Erinnerung und das Denken dem Gefühl gegenüber 
sich bis zu einem gewissen Grade verselbstständigen, sich van 
ihm gewissermassen als Seitenarme abzweigen, so ist doch gar 
nicht daran zu denken, dass es die Hauptströmung sei, welche 
diesen besonderen Lauf eingeschlagen, und das Gefühlsleben 
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