Bauhaus-Universität Weimar

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Die beiden oberen Sinne. 
erst erschöpfende Momente vor. Diese Verwandtschaftlichkeit 
macht es erklärlich, dass zwischen den Ton- und Färben- 
Empfindungen ähnliche Empfindungs-Analogieen wie 
zwischen Geruch und Geschmack bemerkt werden. Wie wir eine 
Geruchs-Empfindung höchstens mit einer Geschmacks-Empfindung 
vergleichen und umgekehrt und demzufolge von siisslicliem 
oder würzigem Geruch, aromatischem, brenzlichem Geschmack 
sprechen, so haben sich auch die Begriffe des Farben tons 
und der Klangfarbe völlig eingebürgert und sind allgemein 
als berechtigt anerkannt. 
In anderer Hinsicht zeigen sich die beiden oberen Sinne 
wieder dem Druck- und dem Temperatur - Sinn verwandt, 
nämlich hinsichtlich der Feinheit und der Einheitlichkeit ihrer 
Empfindungen. Helligkeits - Unterschiede von T^y, sogar y-J-y 
bis yyy werden als noch wahrsrenommene angegeben. 
(Wundt a. a. O. S. 311, Fechner a. a. O. 148, Ranke Grundz. 
d. Physiol. S. 775.) Ueber die Feinheit im Unterscheiden 
nahe verwandter Farbentöne, fehlen experimentelle Angaben, 
doch wird sie sicherlich nicht geringer als die sehr beträcht¬ 
liche Feinheit in der Unterscheidung der Tonhöhen sein. 
Für Schallstärken ist das Unterscheidungsvermögen nicht 
grösser als für Druckunterschiede, es wird auf 3:4 angegeben 
(Wundt a. a. O. 315, Fechner a. a. O. 176), während die 
Unterscheidbarkeit für Tonhöhen bereits bei Schwingungs- 
Differenzen von yAyy beginnen kann. (Wundt Vorlesungen 
Thl. I. S. 174. Vergl. damit Fechner a. a. 0. S. 263, wo 
etwas geringere Feinheit angegeben wird 1149:1145.) 
Welche Bedeutung diese nach verschiedenen Richtungen 
sich erstreckenden Abstufungen unserer Sinnes - Empfindungen 
für die Ausbildung unserer theoretischen und objektiven Er¬ 
kenntnis haben, ist hier nicht Gegenstand der Untersuchung, 
wo wir es vielmehr lediglich mit der subjektiven oder Ge¬ 
fühlsseite unsrer Empfindungen zu thun haben. In dieser 
Beziehung scheinen die Gefühle, welche mit den Empfindungen 
des Gesichts und Gehörs verbunden sind, äusserst unwichtig 
zu sein. Auch stehen sie in der That, wie auch bereits an
        

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