Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Gefühle und ihre Verhältnisse zu den Empfindungen
Person:
von Frey, Max
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39713/21/
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Schallstärken. Es lässt sich wohl denken, dass in ihrer Intensität 
beständig schwankende Schälle durch Ermüdung dieser Muskeln un¬ 
angenehm werden können. 
Auch in der bildenden Kunst giebt es ähnlich einfache ästhe¬ 
tische Vorzüge oder direkte Faktoren, wie Fechner1) sie genannt 
hat, welche in physiologischen Verhältnissen begründet sein müssen. 
Bekannt ist das Gefallen an symmetrischen Formen, welches Mach2) 
mit Recht bezieht auf die bilateral - symmetrische Anordnung und 
Innervation der Körpermuskulatur. 
Ein Tintenklecks auf dem Papier ist nicht Gegenstand ästhe¬ 
tischen Gefallens. Wird aber, wie Schulkinder es zu machen 
pflegen, das Blatt gefaltet, so dass die noch feuchte Tinte auf beiden 
Seiten sich abdrückt, so entsteht eine Figur, welche durch die voll¬ 
endete Symmetrie der Formen Wohlgefallen erregt. Die Schönheit 
pflanzlicher Formen beruht hauptsächlich in ihrer Symmetrie, wie 
ihre Verwendung in dem Kunstgewerbe aller Zeiten und Länder 
beweist. 
Hieher gehört auch das als goldener Schnitt bekannte, bevor¬ 
zugte Längenverhältnis der beiden Seiten eines Rechtecks,3) welches 
vielleicht zusammenhängt mit der in vertikaler und horizontaler 
Richtung verschieden weit ohne Anstrengung ausführbaren Drehung 
der Augen oder der Form des binocularen Blickfeldes. 
Die Definition der Lustempfindung, welche ich gegeben habe, 
dürfte noch zu unbestimmt erscheinen, da bald von der Abwesen¬ 
heit, bald von der Aufhebung des Schmerzes die Rede war. Wie 
der Wanderer die Höhe eines Berges schätzt, teils nach der rela¬ 
tiven Erhebung über seinen Standpunkt, teils nach der Schroffheit 
des Gehänges, so könnte man auch die Intensität des Lustgefühles 
Ü a. a. 0. 
2) a. a, 0. S. 48. ff. 
3) Fechner a. a. 0. I. Teil S. 190 ff.
        

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