Bauhaus-Universität Weimar

Bemerkungen zur Theorie der Gefühle. 
198 
ßabn f?rstehe ich doch, dass wir der Verwechselung, auch so¬ 
weit das Ich das Slrebungsgeföhl zum Inhalt hat, um so leichter 
anheimläüen, je enger und ausnahmsloser Beides verbunden zu sein 
pflegt Ein erster Schritt dazu besteht hier, wie bei dem Lust- 
und Unlustgefühl, in dem Glauben an das räumliche Zu¬ 
sammen, Ich spanne den Arm und meine dabei, wo ich die 
Spannung empfinde, zugleich meinen Willen zu fühlen. Ich 
empfinde bei geflissentlichem Nachdenken eine Spannung der 
Kopfhaut oder einen Druck in den Augen, und glaube, meinen 
Willen in der Kopfhaut oder den Augen wahrzunehmen. Die 
Illusion ist begreiflich, aber darum doch', wie die räumliche 
Projection der Lust- und Unlustgefühle, eine Illusion. Zu Grunde 
liegt die Thatsache, dass ich die Spannung oder den Druck 
an seiner bestimmten Stelle wahrnehme und damit zeitlich und 
zugleich sachlich, als etwas Dazugehöriges, das, ebenso wie die 
tust und Unlust, nirgendwo befindliche und unausgedehnte 
Willensgefühl verbinde. Darum theilt sich das Ich, dessen ich 
im Wollen inne werde, nicht in zwei räumlich getrennte Iche, 
sondern bleibt eines und dasselbe, wenn ich gleichzeitig beide 
Arme spanne und die Spannung doppelt empfinde. Beide 
Spannungen sind durch einen Willensact auf ein.Ich, nicht 
die eine auf dies, die andere auf jenes Ich bezogen. So ist 
überhaupt das Ich der zusammenfassende Mittelpunkt des Mannig¬ 
faltigen, das ich gleichzeitig „mein“ nenne. Wie kann es dann 
selbst ein irgendwie Vielfaches sein T — Das Ich dehnt sich 
ebenso wenig von mir bis zum Gipfel des Berges, wenn ich 
den Berg besteigen will; sondern ich überblicke den Weg und 
Verbinde damit „überall“ zeitlich und sachlich das Willensgefühl. 
Denn auch ausserhalb meiner, in beliebige Fernen, projicire ich, 
in diesem niehträiimlichen Sinne, mein wollendes Ich, ebenso¬ 
wohl wie die Lust und Unlust. 
Dass ich die räumliche Identification des Wollens und eines 
zurückzulegenden Weges zur sachlichen Identification steigere, ist 
wenig Gefahr. Die Muskelspannungen und Bewegungen, deren 
es zur Dnrchmessung des Weges bedarf, schieben sich dazwischen 
Und bieten sich zunächst zur Identificirung dar. Verzichte ich auch 
Vierte^a l.iTSsehTift 1 Wissenschaft!, Philosophie. XIII. 2, 13
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.