Bauhaus-Universität Weimar

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Th. Lipps; 
wusstsein gegebene Zugehörigkeit zu mir weit hinaus, so weit, 
als etwa die Erkenntniss der physikalischen Thatsache der Wärme 
über die Wärmeempfindung, oder die Erkenntniss der That¬ 
sache, dass ich krank bin, über das Vorhandensein des Krank¬ 
heitsgefühls hinausgeht, das den thalsächlich abnormen Körper¬ 
zustand unter Umständen begleitet; oder, um in unserer Sphäre 
zu bleiben, so weit, als die Erkenntniss, dass ich, dies empfin¬ 
dende Wesen, in meinen Empfindungen durch Etwas ausser mir 
genöthigt oder afficirt werde, dass es also mich afficirende Ob¬ 
jecte gibt, hinausgeht über das blosse Dasein des Nöthigungs- 
gefühls oder Gefühls des Afficirtseins, das sich bei Gelegenheit 
des thatsächlichen Afficirtwerdens nicht einstellen muss, aber 
einslellen kann, und in welchem allerdings, nach Obigem, das 
Objectivitätsgefühl oder unmittelbare Objectivitätsbewusst- 
sein einzig besteht. — Es ist aber jede solche Erkenntniss, die 
über das blosse Dasein eines unmittelbaren Bewusstseinsinhaltes 
zu einem ihm zu Grunde liegenden Wirklichen hinausgeht, er¬ 
schlossen. So ist auch die Erkenntniss, dass Etwas von 
mir empfunden oder gefühlt wird, und das Ich, von dem es 
empfunden oder gefühlt wird, erschlossen. Es ist als Er¬ 
schlossenes ein an sich unbekanntes Etwas, das nur in Dem¬ 
jenigen, dem es zu Grunde gelegt wird, den Empfindungs-, 
Vorstellungs-, Gefühlsinhalten also, sein Dasein kundgibt. 
Wie nun aber kommen wir dazu, dies erschlossene Etwas 
auch als „Ich“ zu bezeichnen. Warum bleibt es nicht für uns, 
was es doch ohne Zweifel zunächst ist, ein Gegenstand unserer 
Erkenntniss wie unzählige andere? Die Antwort muss lauten: 
weil es eben der Gegenstand ist, den wir unseren Gefühlen, 
also dem ursprünglichen Ich, und den Empfindungen und 
Vorstellungen, sofern sie durch die Beziehung auf dies Ich „uns“ 
zugeeignet erscheinen, zu Grunde legen. So bleibt es auch hier 
dabei, dass das Ich des Selbstgefühls der Punkt ist, an dem 
Alles hängt, was sonst Ich oder irgendwie auf’s Ich bezogen 
heissen mag. 
Dies ursprüngliche Ich möchte ich hier vor Verwechselung 
mit dem, was wir bald so, bald so darauf beziehen, schützen.
        

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