Bauhaus-Universität Weimar

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Th. Lipps: 
unmittelbaren Gegenwart identisch ist, während jeder sonstige 
Bewusstseinsinhalt mein ist, oder etwas mir Fremdes, je nach¬ 
dem diese oder jene Modification des Gefühles sich damit ver¬ 
bindet. — Wie kann man Dasjenige, was die wahrgenommene 
oder vorgestellte Welt erst mir zueignet oder entgegenstellt, 
mit irgend einem Bestandtheil dieser Welt identiliciren ? 
Im engsten Sinne „mein“ ist der Gegenstand der Wahr¬ 
nehmung, den ich meinen Körper nenne. Zunächst ist er ein 
wahrgenommener Gegenstand, wie andere, von anderen ver¬ 
schieden, wie diese unter einander verschieden sind. Was bringt 
ihn in diese enge Beziehung zum Ich, so dass ich ihn wohl 
selbst in’s Ich mit einschliesse und sage, „ich“ bin warm oder 
kalt, statt zu sagen, dieser Gegenstand, Körper genannt, ist warm 
oder kalt? Was macht, diese Frage ist mit jener gleichbedeutend, 
den Ort, wo der Körper ist, zum absoluten „Hier“ ? Doch nur 
der Umstand, dass ich mich über meinen Körper in besonderer 
Weise „als Herr fühle“, das Activitätsgefühl also, das sich be¬ 
friedigende Strebungsgefühl, das mit körperlichen Wahrneh¬ 
mungen, namentlich den Bewegungen, Spannungen, besonders 
unmittelbar sich verbindet. Erscheint mir ja sogar ein Gegen¬ 
stand ausserhalb des Körpers, über den ich, nur durch meinen 
Körper, in besonderer Weise „Herr“ bin, ein leichter Stock, 
den ich schwinge, oder mit dem ich Gegenstände nach Gefallen 
berühre, eben desswegen als ein Theil des Ich, so dass ich 
nicht sage, der Stock berührt die Wand, sondern ich berühre 
sie durch ihn. Eben dasselbe muss auch der Grund des Bewusst¬ 
seins der engen Zugehörigkeit des Körpers zu mir sein. — Wie 
kann, so frage ich wiederum, das Gefühl, in dessen Verbindung 
mit körperlichen Wahrnehmungen für das unmittelbare Be¬ 
wusstsein die Zugehörigkeit des Körpers zu mir besteht, selbst 
eine körperliche Wahrnehmung sein? 
Von dem „Ich“, dem „Mein“, dem „Mir“ des unmittel¬ 
baren Bewusstseins habe ich hier überall geredet. Es gibt aber 
auch ein Ich, das davon verschieden ist und strengstens unter¬ 
schieden werden muss, ein nicht gefühltes, sondern gedachtes 
Ich. Meine Empfindungen und Vorstellungen, als diese „sub-
        

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