Bauhaus-Universität Weimar

Bemerkungen zm Theorie der Gefühle* 
187 
Mü nstekkerg, speciell bei dem nicht auf äussere Effecte gerich¬ 
teten Streben an ihre Steile zu setzen geneigt scheint* Solche 
■„Organeinpfindungen“ stellen sich ja freilich bei unserem Be« 
sinnen, Erwarten, geflissentlichen Nachdenken u. dërgl. ein, nicht 
nur reproducirte, sondern jetzt erzeugte, nicht nur Empli ad ungen 
der „Kopfhautspannung“, sondern der Spannung in verschiedenen 
Theilen des Körpers, der Beklemmung in der Brust und Kehle, 
schliesslich gar des Kopfwehes, des Schwindels u. s. w. Aber 
in der Identificirung derselben mit den Strebungsgefühlen läge 
eine Verwechselung analog der KüLPE-LoTZE’schen von Schmerz- 
empfindung und Unlustgefühl. Jene Empfindungen verhalten 
sieh zu den seelischen Vorgängen des Besinnens, Erwartens, 
Nachdenkens, wie sich die Bewegungsempfindungen bei gewollten 
Bewegungen zu diesen Wollungen verhalten; d. h. sie sind die 
Art, wie uns die körperlichen Wirkungen der seelischen Vorgänge, 
hiebt unmittelbar diese, zum Bewusstsein kommen. Nun wissen 
?wir, Bewegungsempfindungen, die aus unwillkürlichen, oder 
physiologischem Zwang entstammenden Bewegungen sich ergeben, 
also überhaupt Bewegungsempfindungen an sich, schliessen kein 
Bewusstsein des Wollens oderStrebens in sich. Sie erscheinen 
vielmehr lediglich als objective Erlebnisse, ganz ebenso, wie Tast- 
hder Wärmeempfindungen als solche erscheinen. Sie stellen 
sich nicht dar als „mein Thun“, sondern als Etwas, das mir 
geschieht oder das ich erleide. Ebenso ist die Erinnerungs- 
reproduction dieser Empfindungen, so lange nicht das Bewusst¬ 
sein des Wollens hinzu kommt, für uns nichts Anderes als 
eben die Erinnerungsreproduction solcher objectiver Erlebnisse. 
Gleicherweise nun könnten auch jene „Organempfindungen“, 
wenn nicht das Bewusstsein des Strebens hinzukäme, nur 
als objective Erlebnisse, ihre Erinnerungsvorsteliungen nur als 
Erinnerungsvorstellungen von solchen erscheinen. Und sie er¬ 
scheinen thatsächlich so, wenn ich vom Strebungsgefühl abstra- 
hire, oder nachdem dies verschwunden ist. Organempfindungen, 
welche die Thätigkeit des Besinnens oder Nachdenkens begleiten, 
können ja diese Thätigkeit überdauern. Dann sind sie für mich 
tatsächliche körperliche Zustände, wie andere, Zustände,. die ich
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.