Bauhaus-Universität Weimar

Tb- Lipps: Bemerkungen zur Theorie der Gefühle. Ißl 
unter Empfindungen diejenigen, an denen oder deren Inhalt 
wir Lust oder Unlust haben. Dieser Namengebung schliesse 
ich mich an, nur mit dem Zusatz, dass ich mit gleichem 
Rechte — wie nachher deutlich werden soll -— den Strebungs¬ 
gefühlen diesen besonderen; Namen , „Gefühle4 zuerkenne. 
Andrerseits beabsichtige ich die Scheidung der Empfindungen 
und Gefühle consequenter, als dies Lotze und Külpe tliun, 
durchzuführen. 
Ich „empfinde“ die wohlthuende Wärme eines Gegenstandes, 
den ich mit der Hand berühre, und „fühle“ die Lust, um deren 
willen ich die Wärme als wohithuend bezeichne. Dies Gefühl 
ist mit jener Empfindung gleichzeitig und durch sie bedingt. 
Trotzdem bin ich mir des Unterschiedes der beiden Bewusst- 
Äsinhalte wohl bewusst. Die Lust ist nun einmal etwas ganz 
Anderes als die Wärme; beide sind zunächst qualitativ ver¬ 
schieden, ja völlig unvergleichbar. 
Diese qualitative Verschiedenheit genügt uns indessen nicht, 
liés würde nicht hindern, das Gefühl , etwa unter dem Namen 
fe „Gefühlstones“ der Empfindung für eine Seite oder Eigen¬ 
tümlichkeit der Empfindung selbst zu erklären, so wie Tonhöhe 
und Klangfarbe verschiedene und mit einander unvergleichbare 
Seiten oder Eigentümlichkeiten derselben Tonempfindung sind. 
> Wir brauchen uns aber auch mit jener qualitativen Ver¬ 
schiedenheit nicht zu begnügen. Zunächst kommt Folgendes hinzu. 
Die Wärme localisire oder projicire ich an die Stelle der Berührung 
zwischen dem Gegenstand und der Hand; ich sage, der Gegenstand 
ist Warm, die Wärme wird von mir an der Hand empfunden. Da- 
gegen projicire ich das Gefühl nicht Weder der Gegenstand ist 
Listgestimmt oder erfreut, noch die Oberfläche meiner Hand, 
sondern ich bin es. Nun gibt es freilich ein „Ich“ im weiteren 
Sinne, das den Körper und die Theile des Körpers mit umfasst. 
Auch die Wärmeempfindung gehört dem Ich an, soweit sie 
diesem, den Körper mit umfassenden Ich angehört Sie hat an 
oder in diesem Ich ihren Ort: „ich“ bin warm, ich empfinde 
die Wärme an „mir“, nämlich an der Hand. Aber von diesem 
Vierte^ahrss&hrift-f. Wissenschaft!. Philosophie. ' XIII. 2. j ]
        

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