Bauhaus-Universität Weimar

Bemerkungen zur Theorie der Gefühle. 
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hin vor sind nach einer reichlichen Mahlzeit. Hier sind zwei 
Erklärungen möglich. Entweder der Geschmacksreiz zu¬ 
sammen mit dem veränderten körperlichen Zustand, abgesehen 
davon, ob dieser zugleich ein veränderter seelischer Zustand ist, 
bildet den unmittelbaren Grund des veränderten Gefühls, oder die 
Geschmacksempfindung zusammen mit dem veränderten 
seelischen Zustand, der immerhin zugleich ein veränderter 
physiologischer Zustand sein mag, ist dieser Grund. — Ich 
brauche nicht mehr zu sagen, welche der beiden Anschauungen 
von uns vorgezogen werden muss. 
tf Wie oben gesagt, haben die Fälle der Analgesie — in denen 
etwa Berührungen empfunden werden, Schmerzempfindungen 
aber unterbleiben — nichts zu thun mit Unabhängigkeit der 
Gefühle von Empfindungen. Sie können am wenigsten die 
Unabhängigkeit der Gefühle von den Schmerzempfindungen be¬ 
weisen, Angenommen aber, diese letztere Unabhängigkeit be¬ 
stehe, es komme also vor, dass die Empfindungen des Brennens, 
Bohrens, Reissens bleiben wie sonst, und nur das Unlustgefühl, 
der Widerwille dagegen, das Missfallen an ihnen sich mindere, 
find diese Minderung finde statt, nicht weil wir das Unlust¬ 
gefühl durch hinzukommende Gedanken überwinden, auch nicht 
in Folge der Gewöhnung, — zwei Möglichkeiten, die ich seihst 
betont habe —, sondern darum, weil der Körper sich in irgend 
welcher abnormen Verfassung befindet, — dann bestände auch 
hier unsere psychologische Erklärung vollkommen zurecht; 
es müsste denn der Nachweis gelingen, dass nur eine rein 
physiologische und nicht zugleich eine damit verbundene Ver¬ 
änderung der psychischen Disposition vorliege. — Ob nun 
j e n e Ann ah m e zutrifft, lasse ich dahingestellt. Verwunderlich 
wäre es nicht, da ja die Veränderung der Gefühle bei gleich 
bleibenden Geschmacksempfindungen ein directes Analogon dafür 
bietet. Auf die Constatirung von Fällen aber, in denen dieser 
Nachweis gelingt, haben wir jedenfalls einstweilen noch zu 
warten. 
Ich fürchte aber, wir werden vergeblich warten. Es ist 
in der That die Annahme, dass irgend ein seelisches Ent-
        

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