Bauhaus-Universität Weimar

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Zur Einführung. 
sind es teils die ganze aus dem Kantianismus hervorgehende Psycho¬ 
logie, insbesondere Fries, Herbart und der die Bedeutung der 
inneren Wahrnehmung überspannende Beneke (der Psychologie 
»als Naturwissenschaft« zu behandeln meinte, wenn er sich auf 
innere Wahrnehmung stützt), noch mehr die Herbartsche Schule 
und der zwischen allen psychologischen Richtungen vermittelnde 
Lotze, die für die Entwicklung der gegenwärtigen Psychologie 
der Selbstwahrnehmung vor allem Bedeutung gewannen. Eine 
ähnliche Stellung nehmen auf außer deutschem Boden ein Maine 
de Biran, die beiden Mill und Bain. Neben diesen Haupt¬ 
richtungen der gegenwärtigen Psychologie finden wir die Nach¬ 
wirkungen der englischen Assoziationspsychologie in 
Deutschland, und in direkter Gegnerschaft gegen die Kan tischen 
Traditionen entstand auf dem Boden des neueren Thomismus 
eine besondere Gruppe von Vertretern einer empirischen Psycho¬ 
logie der inneren Wahrnehmung. Der philosophische Ursprung 
der neueren Psychologie wirkt endlich in einer »philosophi¬ 
schen Psychologie« nach, die ihre Aufgabe mehr in erkennt¬ 
nistheoretischer Grundlegung der Psychologie als in der Analyse 
einzelner Bewußtseins Vorgänge sieht. 
Aber damit nicht genug! Die Physiologie wollte sich nicht 
nehmen lassen, was sie einst historisch hervorbrachte, sie duldete 
nicht die Emanzipation ihres Kindes. Daher sehen wir, wie neben 
der experimentellen Psychologie, die ganz in den Dienst psycho¬ 
logischer Fragestellung tritt, sich bis heute eine andre Richtung 
erhält, welche rein aus anatomisch-physiologischen Daten über 
nervöse Verbindungen in der Großhirnrinde, über Lokalisations¬ 
phänomene und hypothetische Zellfunktionen — vermeintlich ohne 
wesentliche Zuhilfenahme selbständiger psychologischer Analyse — 
eine »physiologische Erklärung der psychischen Er¬ 
scheinungen« versucht. 
Während die bisher genannten psychologischen Richtungen 
schon offen miteinander im Kampfe lagen, bildete die für das 
psychologische Studium so fruchtbare medizinische Forschung eine 
anfangs von den Psychologen nur wenig beachtete neue Methode 
aus, die gegenwärtig mit vollem Recht als eine besondere psycho¬ 
logische Methode neben die experimentelle und introspektive Ana¬ 
lyse tritt, wir meinen die psychopathologische Methode. In 
Deutschland bis vor kurzem noch gänzlich in ihrer Bedeutung ver¬ 
kannt, von zahlreichen Psychologen noch immer nicht gebührend 
gewürdigt, fand sie hauptsächlich in Frankreich und England ihre 
erste Ausbildung (Maudsley, Taine, Ribot u. a.). Allerdings
        

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