Bauhaus-Universität Weimar

Zur Einfühlung. V. Die Beziehungen. 
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dem zusammenfassenden Tun, wodurch die sachlichen Ganzen, etwa 
die Melodien und die Akkorde und die Bäume und Baumgruppen 
und die Sternbilder und unzählige andere Gegenstände, ja, am 
Ende alle Dinge des gewöhnlichen Lebens, für uns entstehen, 
stehen vor allem die Beziehungen, die selbst wiederum dieser 
oder jener Art sind, räumliche oder zeitliche oder kausale Be¬ 
ziehungen. 
Doch nichts hindert uns, auch jenes sachliche und ebenso das 
numerische Zusammenfassen als ein Beziehen zu bezeichnen. Nur 
müssen wir dann zunächst zwei verschiedene Möglichkeiten dieses 
Beziehens unterscheiden. Indem ich Teile zu einem Ganzen, etwa 
Töne zur Einheit einer Melodie, oder einzelne Sterne zum Ganzen 
eines Sternbildes innerlich zusammenschließe, setze ich ohne 
Zweifel sie zueinander in Beziehung. Ich setze sie aber eben in 
die Beziehung der Zusammengehörigkeit zu einem Ganzen. 
Diese Beziehung nun ist zweifellos eine eigenartige. Eben 
darum pflegt sie auch mit jenem besonderen Namen bezeichnet 
zu werden. Indem wir sie doch auch als eine Beziehung be¬ 
zeichnen, bringen wir aber mannigfaltige Weisen des geistigen 
Tuns unter einen einzigen Begriff. 
In jedem Falle hat doch diese besondere Art der Beziehung 
oin Auszeichnendes. Sie ist eine wechselseitig gleichförmige 
Beziehung. In gleicher Weise ist jeder Teil eines Ganzen auf 
jeden anderen bezogen, in gleicher Weise gehört ein jeder zu 
jedem. 
Daß es aber auch Fälle der Beziehung zwischen einem A 
und einem B gibt, in denen nicht in gleicherweise A auf B 
wie umgekehrt B auf A sich bezieht, zeigt in einfachster Art 
die kausale Beziehung. Schon die verschiedenen Namen,Ursache 
und Wirkung, deuten auf eine Verschiedenheit der Beziehung 
in der einen und in der anderen Richtung hin. 
Doch davon später. Zunächst bleiben wir noch bei den 
Ganzen. Wir sprachen oben speziell vom sachlichen Ganzen. 
Daneben aber hören'wir auch von räumlichen und zeitlichen 
Ganzen reden. Wie nun verhalten sich diese zu jenen? Darauf ist 
natürlich zunächst zu antworten, daß die räumlichen und die 
zeitlichen Ganzen auch Arten von sachlichen Ganzen seien und
        

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