Bauhaus-Universität Weimar

Zur Einfühlung. IV. Die Auffassungstätigkeit. 
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Konsonanzen und Dissonanzen und die Quarten und Quinten, da¬ 
gegen gibt es nichts dergleichen auf dem Gebiet der Geschmäcke 
oder Gerüche oder auch der Gegenstände der kinästhetischen 
Empfindung. Nehmen wir dazu das oben Gesagte, d. h. dies, 
daß die Tendenzen der verschiedenen Auffassungsakte, ihren 
Rhythmus zu einer gesamtseelischen Stimmung auszubreiten, sich 
entgegenwirken. So verstehen wir, warum wir nur in einigen 
Fällen das Bewußtsein einer ausgeprägten Stimmung gewinnen. 
Die im Vorstehenden zuletzt erwähnten Unterschiede der 
Auffassungsakte, dies sei hier noch besonders betont, bestehen 
nur einfach tatsächlich. Aber wir wissen nicht, warum es 
so ist. Wir können eben den Vorgängen, durch die es ge¬ 
schieht, daß jetzt dieser, ein andermal jener Gegenstand für 
uns da ist, wie auch der „Gesamtseele“ nicht ins Herz sehen. 
Darum ich auch oben so allgemeiner Wendungen und selbst 
bloßer Bilder oder Gleichnisse mich bedienen mußte, wie ich 
es getan habe. 
Und auch ein anderer Punkt darf hier wohl noch hervor¬ 
gehoben werden. Die Stimmungen oder allgemeinen seelischen 
Zuständlichkeiten, von denen ich hier rede, tragen teilweise be¬ 
sondere Namen. Nicht alle aber sind eigens benannt oder können 
es sein. Denn ihre Anzahl ist unendlich. Immer bin ich irgend¬ 
wie gestimmt, und immer bin ich irgendwie anders gestimmt 
als sonst. Nur gewisse hervortretende Punkte sind aber sprach¬ 
lich bezeichnet. Ich bin etwa heiter oder gedrückt, frisch oder 
innerlich gelähmt, sehnsüchtig und traurig usw. 
Doch auch, wenn ich nichts dergleichen bin, können es doch 
diese oder jene Gegenstände für mich sein. In ihnen kann die 
Tendenz liegen, in mir mit dieser Stimmung sich zu umgeben. 
Und immer wird dann diese Tendenz irgendwie sich verwirk¬ 
lichen. Immer aber ist, soweit die Stimmung da ist, diese 
Stimmung in mir. Wie weit jedoch diese Stimmung mich er¬ 
füllt und in diesem Sinne meine Stimmung, d. h. eine Gestimmt- 
heit meines ganzen Wesens ist, das hängt, wie wir wissen, von 
den Umständen ab, oder dies ist davon abhängig, wie weit die 
Auffassung dieses bestimmten Gegenstandes in mir zur Herr¬ 
schaft zu kommen und mich ganz zu bestimmen vermag.
        

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