Bauhaus-Universität Weimar

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Theodor Lipps. 
wegen der so verschiedenen Stellung- im ganzen, von der mich 
innerlich ganz frei zu machen, mir nicht gelingt, verschieden. 
Vielmehr sie sind unter dieser Voraussetzung für mich tat¬ 
sächlich verschieden. 
Dieser Tatbestand hat übrigens auch auf anderen Gebieten 
seine Analoga. Mein Heimatdorf stand mir in meinen Knaben¬ 
jahren nicht für sich vor Augen, sondern als ein Teil des 
Ganzen, das ich damals sah und hörte, kurz sinnlich wahrnahm, 
und dessen, was ich dachte und erlebte. Und sehe ich es nun 
wieder, so halte ich es vielleicht für verändert, nicht, weil 
es dies in sich wäre, aber weil jetzt jenes Ganze nicht mehr 
da ist. 
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Zur Erläuterung des vorhin Gesagten kann auch noch 
daran erinnert werden, daß dann, wenn ein C da ist und eine 
bestimmte Eigenart besitzt, weil ein B so beschaffen ist, wie es 
ist, zwei Möglichkeiten bestehen, einmal die, daß das B das C 
erzeugt, und zum andern, daß es ein A gibt, das in B sich kund 
gibt, und auch, vermöge einer in ihm liegenden Gesetzmäßigkeit, 
das C hervorbringt. So bringt nicht der Blitz, diese optische 
Erscheinung, den Donner hervor, sondern ein von beiden ver¬ 
schiedener physikalischer Vorgang, wir wollen ihn der Einfach¬ 
heit halber als elektrische Entladung in den Wolken bezeichnen, 
liegt beiden sinnlichen Erscheinungen zugrunde und bindet sie 
aneinander. Trotzdem heißt der Blitz das den Donner hervor¬ 
bringende, und er kann so heißen, weil in ihm die elektrische 
Entladung sich kund gibt, welche die wahre Ursache des 
Donners ist. 
So kann auch der Gegenstand einer Auffassungstätigkeit das 
die Eigenart ihrer subjektiven Bestimmtheit Bedingende heißen, 
weil in ihm einzig diese Auffassungstätigkeit, die in Wahrheit 
das Bedingende ist, ihr Dasein zu erkennen gibt. 
Auch dies darf ich noch ausdrücklich bemerken, daß mit 
dem Vorstehenden natürlich nicht das Recht der Unterscheidung 
von Auffassungstätigkeit und fertigem Aufgefaßtsein eines Gegen¬ 
standes hinfällig wird. Mag ich auch, so meinte ich oben, nicht 
imstande sein, zu sagen, wie es geschehe, daß ein Gegenstand 
für mich da sei, sicher ist, daß dies doch irgendwie geschehen
        

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