Bauhaus-Universität Weimar

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Theodor Lipps. 
Zur Einfühlung. 
III. Die eingefühlten Bestimmtheiten. 
Auch in diesem Aufsatz wiederum soll von Bestimmtheiten 
der Gegenstände geredet werden. Und doch soll dieser Aufsatz, 
nicht eine Ergänzung sein des vorigen, oder zu den vier Arten 
von Bestimmtheiten, die wir dort unterscheiden, nun eine fünfte 
hinzugefügt werden. 
Um die eingefühlten Bestimmtheiten von Gegenständen 
handelt es sich. Diese nun haben, wie schon der Name sagt, 
vor allem das Eigentümliche, in Wahrheit gar nicht Bestimmt¬ 
heiten der Gegenstände zu sein, sondern Bestimmtheiten meiner,, 
d. h. des denkenden, nämlich eben diese Gegenstände denkenden 
Subjekts, subjektive Momente also, solche, die vom Subjekt 
nicht an den von ihm gedachten Gegenständen, sondern einzig 
in sich selbst und als Bestimmtheiten oder Daseinsweisen 
seiner selbst vorgefunden, d. h. erlebt werden und ihrer Natur 
nach einzig so erlebt werden können. Und nicht dies sagt 
das Wort „Einfühlung“, daß diese Bestimmtheiten ihre Art 
ändern und irgendwie aus Bestimmtheiten meiner, die sie von 
Haus aus sind, in Bestimmtheiten der Gegenstände sich ver¬ 
wandeln. Sondern sie bleiben die Bestimmtheiten meiner, die 
sie sind, diese nur in mir antreffbaren, diese aus der Natur des 
Subjekts stammenden und ihrer eigenen Natur zufolge nur als 
einem Subjekt zugehörig denkbaren. Dennoch aber sind sie 
zugleich Bestimmtheiten beliebiger Gegenstände. Natürlich aber 
sind sie dies nicht an sich, sondern nur für mich, den die Gegen¬ 
stände Denkenden oder Auffassenden. 
Damit sind wir nun aber auf eine neue Zweideutigkeit des 
„für mich“ gestoßen. Es sagt hier nicht, die fragliche Bestimmt¬ 
heit sei in Wahrheit eine subjektive Bestimmtheit, sie sei aber 
nach meiner Meinung eine Bestimmtheit des Gegenstandes,, 
obgleich eine solche Auffassung bei Angehörigen einer niedri¬ 
geren Kulturstufe recht wohl bestehen kann. Wir nennen solcher 
wie bekannt, „Animisten“. Es sagt aber auch nicht, daß eine 
solche Bestimmtheit aus einer beliebigen Laune meiner Phantasie
        

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