Bauhaus-Universität Weimar

Zar Einfühlung. ' II. Bestimmtheiten der Gegenstände. 
155 
Dann „glaubt“ der Urteilende natürlich auch an das Prädikat. 
Um aber den Umstand, daß das Prädikat nur die heraus¬ 
genommene oder für sich betrachtete eine Seite des gesamten 
Urteilsgegenstandes ist, auch im Ausdruck anzuerkennen, wollen 
wir lieber sagen, das Prädikat sei das vom Urteilenden Ge¬ 
glaubte. Dann muß andererseits das Subjekt als dasjenige be¬ 
zeichnet werden, von dem etwas geglaubt wird. 
Damit nun setzte ich mich in scheinbaren Widerspruch mit 
später Gesagtem, das Prädikat oder die geltende Bestimmtheit, 
die ja mit dem Prädikat identisch ist, sei etwas an einem Gegenstand 
Erlebbares, ein Erlebnis also, nicht etwas nur einfach 
Denkbares. Aber der Widerspruch ist nur scheinbar. Auch 
das Glauben ist ja ein Erleben. Es ist immer das Erleben und 
die Anerkennung einer Gegenstandsforderung oder einer Geltung 
im hier in Rede stehenden Sinn. Wie man sich erinnert, sagte 
ich statt Forderung oder Geltung auch vom Gegenstand her¬ 
kommende Sollung, oder ich sprach von einem Rechtsanspruch 
des Gegenstandes. 
Bleiben wir nun hier aber noch einen Augenblick bei dem 
allgemeineren Worte Erleben, so ist besonders zu betonen, daß 
das Erlebbare, um das es hier sich handelt, die Geltungen also, 
oder die Prädikate von Urteilen, oder die geltenden Bestimmt¬ 
heiten, ein Erlebbares sind von eigener Art. Sie sind etwas 
„an“ beliebigen Gegenständen Erlebbares. Die Geltungen, die 
Prädikate, kurz die geltenden Bestimmtheiten, werden vom 
Subjekt an irgendwelchen Gegenständen vorgefunden, d. h. er¬ 
lebt. Sie sind also nicht Bestimmtheiten des Subjektes oder 
der Subjekte, selbst nichts Subjektives, nichts, in dessen Natur 
es läge, nur von einem Bewußtsein in sich selbst und als eine 
Bestimmtheit seiner selbst vorgefunden werden zu können. Mit 
einem Wort, indem wir hier von Erlebbarem reden, sprechen 
wir nicht von Bewußtseinserlebnissen, sondern wir haben es zu 
tun mit Bestimmtheiten beliebiger Gegenstände, mit Forde¬ 
rungen, die nicht wir, die denkenden, sondern die die von 
uns gedachten Gegenstände stellen und eben an uns stellen. 
Es ist aber vor allem wichtig, daß wir nicht nur von der 
Existenz des in Gegenständen Mitdenkbaren, sondern auch
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.