Bauhaus-Universität Weimar

Zur Einfühlung. II. Bestimmtheiten der Gegenstände. 
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Oder ist man mit den Worten „Forderung“ oder „Sollen“ 
in beiden Fällen nicht zufrieden? Dann sage man mir, wie 
sonst man das Bewußtsein, das Kunstwerk habe an sich einen 
bestimmten Wert, anders auszudrücken gedenke. 
Freilich habe ich ja schon bei anderer Gelegenheit die 
Trivialität zugeben müssen, daß mein Bewußtsein von etwas 
nicht identisch sei mit dem, wovon ich ein Bewußtsein habe. 
So ist auch mein Bewußtsein vom Wert eines Kunstwerks nicht 
«ine und dieselbe Sache mit dem Wert des Kunstwerks selbst. 
So wenig ist dies der Fall, als die Geradheit der geraden Linie 
mit meinem Bewußtsein, die Linie sei für mich eine gerade, 
«ine und dieselbe Sache ist. Aber ebenso gewiß ist die Tat¬ 
sache, daß ich vom Wert einer Sache nichts wissen kann, ohne 
davon ein Bewußtsein zu haben, und daß ich nicht sagen 
kann, was ich denn unter dem Wert einer Sache, z. B. eines 
Kunstwerkes, verstehe, außer indem ich angebe, von was ich 
ein Bewußtsein habe, wenn ich ein Bewußtsein des Wertes 
der Sache habe. 
Mein Bewußtseinstatbestand nun aber, wenn ich weiß 
oder zu wissen glaube, daß einem Kunstwerk ein bestimmter 
Wert zukomme, ist dieser: ich erlebe die Forderung eines be¬ 
stimmten Werte ns. Es liegt aber nun einmal in der Natur des 
Denkens, daß es ein geistiges Schaffen oder ein geistiges Her¬ 
vorbringen ist, ein Denken von Gegenständen oder ein Hin- 
«indenken von etwas in einen Gegenstand, und es liegt ebenso 
in der Natur des Wertens, daß es nichts dergleichen ist. 
Das in einen Gegenstand Hineingedachte ist danach das, 
was wir seine Beschaffenheit nennen. Beschaffenheiten von 
Gegenständen werden von uns, indem, wir die Gegenstände 
denken, in ihnen mitgedacht. Der Wert aber eines Gegen¬ 
standes ist überhaupt nicht etwas Gedachtes, sondern etwas 
an ihm Verspürtes oder Erlebtes. Und was wir erleben, ist 
eben jene Forderung, daß eine bestimmte Wertung vollbracht 
werde. Von dem Wert, den ein Gegenstand hat, gilt freilich, 
daß er in Beschaffenheiten des Gegenstandes begründet ist. 
JSo kann der Wert eines Kunstwerkes in seinen Farben oder 
in seiner Formgebung, oder dem Verhältnis seiner Teile, oder
        

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