Bauhaus-Universität Weimar

Zur Einfühlung. XIII. Die Einfühlung in die fremde sinnliche Erscheinung usw. 443 
urteile überhaupt unmöglich sind, weil m. a. W. keine Tat¬ 
sachen vorliegen, die uns zur Fällung gültiger GegenurteÜe, 
insbesondere zur Fällung des Urteiles, daß in der Tat keine 
Person in alledem sich auslebe, Anlaß gebe. 
Sofern nun jeder Analogieschluß ebenso wie die Selbst- 
objektivation oder der Glaube an das Dasein eines Andern als 
ich, auf dem Sichbehaupten eines Eindruckes beruht, und 
sofern dies Sichbehaupten erst den Analogieschluß und die 
Selbstobjektivation möglich macht, stimmen die beiden überein. 
Aber, man achte nun auch auf den besonderen Sinn, den der 
„Eindruck“ im einen und im andern Falle hat. Der Analogie¬ 
schluß ist ein Schluß von einem A± auf ein ihm Analoges, d. h. 
Gleichartiges, etwa wie ich oben annahm, von einer Frucht, die 
eine bestimmte Farbe, einen bestimmten Glanz usw. besitzt, 
auf eine andere Frucht, von der das gleiche gilt. Er erschließt 
etwa daraus, daß im einen Falle die Frucht eine bestimmte 
Wirkung auf den Körper ausübte, daß sie auch in einem 
anderen Falle dies tun, oder daß ein andermal der gleiche 
Gegenstand mit einer gleichen Wirkung auf meinen Körper 
verbunden sei. Hier nun wird, allgemein gesagt, von einem 
Objekt auf ein Objekt geschlossen. Dagegen ist Selbstobjek¬ 
tivation der Glaube, daß in einem bestimmten Körper ein Wirk¬ 
liches sich finde, das zwar mir qualitativ gleich ist, aber doch 
von mir dadurch absolut unterschieden ist, daß es nicht, wie 
ich, das Subjekt ist, sondern mir, dem Subjekt, als ein Objekt 
gegenübersteht. 
Um auch hier ein Analogon zu gebrauchen: ich stehe an 
einer Seite eines Flusses und jenseits stehen zwei Bekannte. 
Dann kann ich die doppelte Frage stellen, einmal: wie komme 
ich, vorausgesetzt, daß ich drüben bin, von einem zum andern, 
und die Frage: wie komme ich über den Fluß hinüber. Jene 
Frage nun ist die Frage, die der Analogieschluß beantwortet, 
dies die Frage, die in der Selbstobjektivation ihre Beantwortung 
findet. Oder vielmehr die letztere Frage ist die Frage der 
Selbstobjektivation und kein Reden von einem Analogieschluß 
kann die Frage beantworten. Wer sie damit beantworten wollte, 
würde genau das eigentümliche Wesen der Selbstobjektivation,
        

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