Bauhaus-Universität Weimar

442 Theodor Lipps. 
durch die Vielheit der Prämissen vor der Gefahr, daß gültige 
Urteile ihm gegenübertreten, geschützt werde. Also beruht 
auch der Analogieschluß darauf, daß ein Eindruck in diesem 
Sinne sich behauptet. Danach könnte auch das Entstehen jedes 
animistischen Urteils als Analogieschluß bezeichnet werden. 
Denn das animistische Urteil beruht ja jederzeit auf einem Ein¬ 
druck, und der Eindruck wird bei ihm zum Urteil, indem er 
sich behauptet. Dabei ist an jedes animistische Urteil gedacht, 
etwa auch an den Glauben, daß in der Landschaft die Gemüts¬ 
verfassung der Heiterkeit, daß in den Dingen Kräfte, Strebungen, 
Tätig-keiten sitzen. Ich habe, so sagte ich, den Eindruck, daß 
diese Gemütsverfassung in der Landschaft sei, ich habe ebenso 
den Eindruck, daß in den Dingen Kräfte, Strebungen, Tätig¬ 
keiten wohnen, und dieser Eindruck nun wird in dem Animisten 
zum Urteile. Ebendarum heißt er Animist. 
Aber obgleich dieser Eindruck bei dem Animisten keinem 
g*ültigen Gegenurteil begegnet, so gibt es doch, wie wir wissen, 
solche gültigen Gegenurteile. Ich weiß, daß die Heiterkeit, daß 
die Kräfte, Strebungen, Tätigkeiten nur in mir, als Weisen meiner 
Betätigung- bzw. als meine Betätigungen, Vorkommen, daß sie, 
allgemeiner g-esagt, ihrer Natur nach Personen angehören. 
Danach wird die Landschaft und werden die Dinge dadurch, 
daß ihnen die Gemütsverfassung der Heiterkeit oder die Kräfte, 
Strebungen, Tätig-keiten zuerkannt werden, zu Personen ge¬ 
stempelt. Die Einsicht aber, daß sie dies nicht seien, ist nun 
doch ein gültiges oder von uns für gültig gehaltenes Gegen¬ 
urteil gegen jenen Eindruck. 
Nur in einem Falle des Animismus ist es anders. Nur in 
ihm behauptet sich der Eindruck endgültig. In dem Glauben 
nämlich, daß in den Lebensbetätigungen, den Bewegungen und 
Worten, die den von mir hervorgebrachten gleichartig aber 
nicht mit ihnen identisch sind, ein Wollen oder Denken liege 
und sich kundgebe, daß es mit anderen Worten Andere gebe, 
die darin sich ausleben, kurz in der Selbstobjektivation. Auch 
diese ist ja ein Animismus, nur ein besonderer Fall desselben. 
Das Urteil, zu dem in jedem Falle des Animismus der Eindruck 
wird, kommt hier zustande, und es bleibt, weil hier Gegen-
        

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