Bauhaus-Universität Weimar

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Theodor Lipps. 
denz, trotz der die Tätigkeit sich verwirklicht, oder ihr Ziel 
erreicht. 
Unter Gegentendenz kann aber auch verstanden werden die 
Gegentendenz in der Tätigkeit. Die Gegentendenz, die ein 
Moment der Tätigkeit selbst ausmacht, die nicht gegen die 
Erreichung des Zieles der Tätigkeit gerichtet ist, sondern gegen 
die Existenz der Tätigkeit. Diese Gegentendenz nun steigert 
nicht die Tätigkeit für unsern Eindruck, sondern lähmt sie, 
also zwischen der Gegentendenz, trotz deren die Tätigkeit ihr 
Ziel erreicht, und der Lähmung dieser Tätigkeit ist zu unter¬ 
scheiden. 
Dafür ein Analogon aus einer anderen Sphäre. Jemand 
besteige einen hohen Berg, dann ist die Höhe des Berges eine 
Gegentendenz der Tätigkeit der Bergbesteigung im bisherigen 
Sinne des Wortes. Sie bedroht die Erreichung des Zieles, d. h. 
des Gipfels, sie macht, so können wir auch sagen, die Erreichung 
des Zieles unwahrscheinlicher. Und die Bergbesteigung erscheint 
als eine um so größere Tätigkeit, wenn sie sich vollzieht, trotz¬ 
dem daß der Berg so hoch ist. Dagegen kann wohl die 
Müdigkeit des Bergbesteigers auch als eine Gegentendenz zur 
Tätigkeit der Bergbesteigung bezeichnet werden. Dann aber 
wird die Gegentendenz in völlig anderem Sinne genommen. 
Die Müdigkeit ist nicht ein Faktum, wogegen die Tätigkeit 
sich wendet, und das sie überwindet, sondern sie ist eine Läh¬ 
mung der Tätigkeit selbst, also eine Verringerung derselben. 
Freilich kann auch die Höhe des Berges zu einer solchen 
werden, sie erzeugt vielleicht Angst und auch diese Angst wird 
nun zur Lähmung der Tätigkeit. Aber diese Lähmung bewirkt 
nicht die Höhe des Berges als solche, sondern das subjektive 
Moment der Angst, das durch die Höhe des Berges oder seine 
Betrachtung jetzt ausgelöst werden kann bzw. nach unserer 
Annahme ausgelöst wird. 
Oder ein anderes Analogon: Ein Körper werde nach oben 
gezogen, und dabei werde eine Kraft, die den Körper nach 
unten zieht, oder die nach unten tendiert, überwunden. Dann 
erscheint diese Tätigkeit des Emporziehens unter im übrigen 
gleichen Umständen als eine größere. Nun aber ändern wir
        

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