Bauhaus-Universität Weimar

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Theodor Lipps. 
Annäherung- dieser Teile aneinander und Ausgleichung der Teile 
und des Ganzen, also Annäherung der Teile nicht aneinander, 
sondern Annäherung von Teilen an das Ganze bzw. umgekehrt. 
Der Unterschied ist deutlich, Dort handelt es sich um den 
Gegensatz der Teile untereinander, hier um den Gegensatz 
zwischen Teilen und dem Ganzen. Dort handelt sichs um eine 
Ausgleichung zwischen Teilen, hier um eine Ausgleichung von 
Teilen einerseits und dem Ganzen andrerseits. 
Ehe wir aber dazu übergehen, muß ich erst zugestehen, daß 
das unmittelbar vorher Gesagte zu einem Bedenken Anlaß gibt. 
Es ist dies sogar ein dreifaches Bedenken. Zuerst folgendes: 
Wie eigentlich kamen wir oben zu der Rede von einem Durch¬ 
schnitt der Entfernungen. Der Durchschnitt ist doch nur das 
Ergebnis einer Rechnung und Vergleichung der tatsächlichen 
Entfernungen. Und die tatsächlichen Entfernungen der Linien 
voneinander sind nicht der Durchschnitt, sondern sie gehen 
über diesen bald hinaus, bald bleiben sie dahinter zurück. Und 
dies gilt auch von den Entfernungen zweier einander ent¬ 
sprechender Punkte der Linien. 
Und damit verbinde ich zugleich das zweite Bedenken* Wir 
sprachen von den Entfernungen, die gesehen werden. Aber 
nicht um das Gesehene als solches handelte es sich im Bis¬ 
herigen, sondern um die Tätigkeiten. Nach ihrer Größe be¬ 
stimmen sich ja die optischen Täuschungen. In der Tat nun 
hatten wir oben mit den Tätigkeiten zu tun, die aus den Ent¬ 
fernungen sich ergeben. Wir wollten sprechen von den Tätig¬ 
keiten der Entfernung bzw. der gegenseitigen Annäherung der 
Linien. Davon, daß Linien sich voneinander entfernen bzw. 
sich einander zu nähern scheinen. Diese Tätigkeiten aber 
gravitieren allerdings nach einem Durchschnitt. Die Tätigkeit 
der Entfernung der beiden Linien scheint kleiner, wenn die 
Entfernung größer ist als der Durchschnitt. Insofern kommt 
der Durchschnitt für uns doch in Betracht. 
Wie aber, so müssen wir hier fragen, geschieht jene schein¬ 
bare Vergrößerung und Verkleinerung, obgleich größere Ent¬ 
fernungen, überhaupt größere Ausdehnungen, sonst überschätzt, 
kleinere dagegen unterschätzt werden. Dies nun geschieht,
        

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