Bauhaus-Universität Weimar

Zur Einfühlung. XI. Die empirischen Täuschungen des Augenmaßes. 365 
ist. Und Gegenstand für mich ist überhaupt alles, was ich denke. 
Daher kann das Bild für mich auch Gegenstand sein. Jedes Bild 
ist dies immer, wenn ich es denke und beachte. 
Immerhin hat der Gegensatz von Bild und Gegenstand sein 
Eigentümliches. Hier z. B. reden wir speziell von Gesichts¬ 
bildern. Deren Aufgabe nun ist nicht eigentlich da zu sein, 
sondern Vehikel zu sein, in welchem wir die Gegenstände, die 
wir in dem Gesichtsbilde meinen, denken. Insofern sind sie 
Bilder in einem besonderen Sinne, oder sind dies in sich selbst. 
Dagegen ist ein Haus nicht ein solches Bild in sich selbst, 
sondern ein #Gegenstand, den wir in einem Bilde denken, und 
vielleicht nur so denken können. 
Hiermit aber verbinden wir verschiedene Änderungen und 
Kürzungen bisher gebrauchter Ausdrücke. Das Bewußtsein 
von einem Gegenstände bezeichnen wir genauer als eine Beur¬ 
teilung. In der Tat ist ja etwa das Bewußtsein, der Mond stehe 
in der Mitte zwischen einer W\)lke und mir, eine Beurteilung. 
Und statt „Eindruck, daß wir eine bestimmte Größe sehen“, 
sagen wir kürzer „Größeneindruck“. Endlich setzen wir statt 
des Wortes Eindruck überhaupt das uns allen geläufige Wort 
Schätzung. Wir reden also von Größenschätzung und wir reden 
von Überschätzung und Unterschätzung, je nachdem wir den 
Eindruck haben, daß wir etwas größer oder geringer sehen, als 
es tatsächlich für unser Sehen ist. Und daß wir in dem Bilde 
oder durch es hindurch den Gegenstand mit dem geistigen Auge 
sehen, drücken wir auch so aus, daß wir sagen, das Bild stelle 
den Gegenstand vor oder repräsentiere ihn; der Gegenstand 
also sei durch das Bild repräsentiert. Das Bild sei, sofern es 
als Bild funktioniere, Repräsentant der Gegenstände. So ist 
auch der Gesandte Repräsentant seines Souveräns und ich be¬ 
trachte ihn in der Regel als solchen. Dies hindert aber nicht, 
daß ich ihn ein andermal als diese bestimmte Person betrachte. 
In diesem Falle betrachte ich ihn nicht als Repräsentanten, 
sondern er ist mein eigentlicher Gegenstand. 
Daß nun die Beurteilung eines Gegenstandes als so oder so 
groß den Eindruck, als sähen wir den Gegenstand so groß, zu 
erzeugen vermag, zeigt uns, abgesehen von obigem Beispiel,
        

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