Bauhaus-Universität Weimar

Zur Einfühlung. XI. Die empirischen Täuschungen des Augenmaßes. 363 
gleich groß gesehenes Objekt, wenn es weiter vom Auge ent¬ 
fernt sei, größer sein müsse. 
Solche Täuschungen aber, wie die in diesem Beispiel enthaltene, 
meine ich nicht speziell, wenn ich hier von Täuschungen des 
Augenmaßes rede, sondern ich habe solche im Auge, bei denen 
besondere Erfahrungen es sind, welche das Bewußtsein der 
Größe von Objekten, und damit den Eindruck, daß diese Größe 
von mir gesehen werde, bestimmen. 
Ich sage, sie bestimmen das Bewußtsein der Größe. Dagegen 
ändern sie nicht die gesehene Größe. Sie tun überhaupt meinem 
Gesichtsbilde nichts. In jedem Falle weiß ich nicht, wie sie mein 
Gesichtsbild und demnach auch die in ihm vorkommende Größe 
verändern sollten, während ich recht wohl weiß, wie sie mein 
Bewußtsein von der Größe verändern können und müssen. Auch 
sonstige Momente, die für eine Veränderung meines Gesichts¬ 
bildes verantwortlich gemacht werden könnten, sind nicht auf¬ 
zufinden. So bleibt es dabei, daß nur das Bewußtsein der Größe 
des Objektes bzw. der Größe seiner Entfernung vom Auge durch 
die Erfahrung bestimmt sein kann, und dadurch der Eindruck be¬ 
wirkt wird, als ob in meinem Gesichtsbilde von einem Objekte 
eine bestimmte Größe vorkomme, die in der Tat in ihm nicht 
vorkommt. 
Wenden wir uns nun aber zu diesen Täuschungen des Augen¬ 
maßes oder einigen Fällen derselben. Dabei ist wiederum zuerst 
eine allgemeine Bemerkung zu machen. Ich stellte ehemals im 
Leitfaden der Psychologie, III. Auflage, die Bildhypothese und 
die Gegenstandshypothese einander gegenüber. Ich tat dies 
nicht mit Rücksicht auf die Täuschungen des Augenmaßes im 
engeren Sinne, von denen wir jetzt reden, sondern mit Rück¬ 
sicht auf die geometrisch-optischen Täuschungen. Aber der 
Gegensatz findet auch hier seine Stelle. 
Machen wir also hier diesen Gegensatz. Der Bildhypothese 
huldigt dann derjenige, der meint, bei den Täuschungen des 
Augenmaßes liege gar keine Täuschung vor. Wir haben, so 
sagt er, den Eindruck einer bestimmten Größe des Gesehenen, 
weil in der Tat diese Größe in dem Gesehenen liegt. Wir sehen
        

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