Bauhaus-Universität Weimar

Zur Einfühlung. X. Die Arten der Einfühlung usw. 
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sollten wir auch sonst von dem Innern des anderen wissen, auch 
nur die Worte verstehen, durch die wir dies Innere beschreiben 
oder von anderen beschrieben hören. Das „gleichartig“ sagt 
aber hier niemals, daß wir eben das in uns gefunden haben, von 
dem wir meinen, daß es in dem anderen sich finde, sondern wir 
haben es kraft unserer kombinierenden und steigernden Fantasie 
aus Elementen unseres eigenen Innern gemacht und nun in den 
anderen hineinverlegt. Daß wir auch hier das Hineinverlegen 
als Einfühlung bezeichnen dürfen und müssen, werden wir später 
in einem eigenen Aufsatze sehen. 
Einstweilen besinnen wir uns, daß wir mit der besonderen 
Bemerkung noch nicht zu Ende gekommen sind, welche die 
Einfühlung der Kraft erfordert. Man weiß, wie es um die Ein¬ 
fühlung, von der vorher die Rede war, bestellt ist. Sie ist Ein¬ 
fühlung dessen, was in der Auffassung eines Objektes liegt, und 
zugleich durch die Vorgefundene Bestimmtheit des Objektes, 
also gegenständlich, bedingt ist. Die Tätigkeit aber, die in der 
Auffassung eines Objektes liegt, oder dazu notwendig gehört, 
ist immer eine geistige. Die Tätigkeit des Zusammenfassens* 
des Beziehens etwa, ist eine solche. Und indem ich sie übe 
und in der Art des Zusammenfassens oder Beziehens durch das 
Zusammengefaßte oder das Aufeinanderbezogene bedingt bin,, 
hat das Objekt, das durch die Zusammenfassung entsteht, etwa 
die Melodie, oder das Objekt, das durch die Aufeinanderbeziehung 
von Objekten für mich zustande kommt, etwa der Naturzusammen¬ 
hang, diese Tätigkeiten für mich zu seinen eigenen Bestimmt¬ 
heiten. Hier aber reden wir nicht von geistigen Tätigkeiten,, 
sondern von körperlichen, und nennen das, was ihnen eigen ist, 
eingefühlt. 
In der Tat ist diese Einfühlung* nicht dieselbe wie jene. Sie 
ist ihr gegenüber, kurz gesagt, wiederum eine „sekundäre“ 
Einfühlung. D. h. wenn jene Einfühlung geschehen ist, ge¬ 
schieht notwendig auch diese. Andererseits setzt aber not¬ 
wendig die sekundäre Einfühlung eine primäre voraus. Diese, 
die primäre Einfühlung, ist die Einfühlung von Tätigkeiten und 
Strebungen. Durch sie wird das Objekt zu dem Bedingenden 
oder Erzeugenden, kurz zu einem Ich, da ja nur in mir das Be- 
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