Bauhaus-Universität Weimar

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Theodor Lipps. 
wobenen für dieses alles. Es bleibt dabei, daß auch hier die 
Bestimmtheiten des Einzelnen nicht die des Ganzen sind. Aber sie 
alle bestimmen sie. Wie das sachliche Ganze aus seinen Teilen, 
so ist eben seine Beschaffenheit aus den Bestimmtheiten der Teile 
gewoben. Und umgekehrt: Keine Beschaffenheit des Einzelnen, 
das zu einem sachlichen- Ganzen verwoben wird, also Teil ist 
dieses Ganzen, kann es geben, die nicht die Beschaffenheit 
dieses Ganzen mitbestimmte. Es wäre nicht Teil eines solchen 
Ganzen, gehörte nicht zu dem sachlichen Ganzen als ein Teil 
des Ganzen, wenn dem nicht so wäre. 
Um das Beispiel zu wechseln : Gewiß ist die Gestalt der 
Baumgruppe dieses sachlichen Ganzen aus Bäumen etwas anderes 
als die Gestalt jedes einzelnen der Bäume. Aber es webt sich 
die Gestalt des Ganzen der Gruppe durchaus aus den Beschaffen¬ 
heiten, die auch schon vorher die Bäume hatten. Und wenn 
die Gestalt auch nur eines der Bäume der Gruppe eine andere 
wird oder sein Standort sich ändert oder einer von ihnen ver¬ 
schwindet oder einer neu hinzutritt und der Gruppe sich ein¬ 
verleibt, so ist damit auch das Ganze der Baumgruppe ein 
anderes geworden. 
Abgesehen von diesem Gegensatz zwischen numerischem und 
sachlichem Ganzen haben wir nun aber hier neben der Unter¬ 
scheidung, die wir ehemals zu machen Grund hatten, der Unter¬ 
scheidung von subjektiven und objektiven Gegenständen, eine neue 
Unterscheidung gewonnen. Es ist die Unterscheidung von ge¬ 
schaffenen und Vorgefundenen Gegenständen. Diese Unter¬ 
scheidung aber ist wie jene eine fundamentale und sollte darum 
von niemand unterlassen werden, dem an einer Scheidung von 
Klassen von Gegenständen überhaupt gelegen ist. Auch die ge¬ 
schaffenen Gegenstände sind für mich Gegenstände, aber eben ge¬ 
schaffene. Sie sind für mich da, aber durch ein sie schaffendes Be¬ 
wußtsein oder in einem sie schaffenden Geist. Dies hindert doch 
nicht, daß auch solche geschaffene Gegenstände, ich sage nicht alle, 
zugleich unabhängig vom individuellen Bewußtsein da seien oder 
daß sie der Welt der Wirklichkeit angehören. Nur müßte diese 
Wirklichkeit Bewußtseinswirklichkeit sein, das Wirkliche ein 
dem individuellen Bewußtsein transzendentes Bewußtsein. Doch
        

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