Bauhaus-Universität Weimar

Zur Einfühlung. 
Von 
Theodor Lipps. 
I. Die neugeschaffenen Gegenstände. 
Die folgenden Skizzen gehören zusammen. Welche oder 
wie viele dieser, soll das Wort Einfühlung, das in der Überschrift 
aller hier in Betracht kommender Skizzen an erster Stelle steht, 
andeuten. Diese Skizzen wollen versuchen, zum Wesen der Ein¬ 
fühlung oder zum Verständnis dieser psychologischen Tatsache 
in allmählichem Fortgang hinzuleiten und die Tragweite des Be¬ 
griffs der Einfühlung* deutlich werden zu lassen. Darum bitte ich 
vor allem, eine Definition der Einfühlung, die nur vorläufige Be¬ 
deutung haben soll, nicht als die endgültige anzusehen. 
Oft genug freilich habe ich gesagt, was ich, und glücklicher¬ 
weise nicht ich allein, unter Einfühlung verstehe. Oft genug ist 
insbesondere deutlich gesagt worden, daß „Einfühlung“ nicht etwa 
«ine Art der Assoziation, sondern daß darunter eine durchaus 
eigene Tatsache zu verstehen sei. Oft genug habe ich auch 
darüber keinen Zweifel gelassen, daß das Wort Einfühlung im 
Grunde in manchen Fällen wenig passe. Aber ich bin, und 
zweifellos durch meine Schuld, mißverstanden worden. Dies der 
Rechtfertigungsgrund für diese Skizzen. Um aber nach Mög¬ 
lichkeit alle Mißverständnisse, denen die Einfühlung ausgesetzt 
ist, abzuwehren, ist es nötig, daß die Tatsache, die diesen Namen 
trägt, in denjenigen allgemeinen psychologischen Zusammenhang 
eingeordnet werde, in den sie hineingehört und aus dem sie dem¬ 
nach allein völlig verständlich werden kann. 
Lipps, Psychol. Untersuch. II. 
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