Bauhaus-Universität Weimar

Theodor Lipps. 
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Körper als Ganzes ist mein, weil es Vorgänge an ihm sind, 
in denen ich mich tätig weiß. Man ermesse daraus, wie töricht 
es ist, das Tätigkeitserlebnis auf Gegenstände meiner KÖrper- 
empfindung zurückführen zu wollen. 
Freilich an Stelle der Wortverbindung „mein Körper“ und 
ebenso der analogen Wortverbindungen meine Seele, meine 
• • 
Kleider, meine Acker und Wiesen usw. erlaubt mir der gemeine 
Sprachgebrauch auch das einfache und kleine Wort „ich“ zu 
setzen. Indessen, es ist unmöglich, daß jemand hierdurch allein 
sich verführen lasse, das „mich“ mit dem, was mir gehört, 
also mich voraussetzt, zu konfundieren. Es ist unmöglich, daß 
jemand in solcher Weise dazu gebracht wird, mit dem Dach 
eines Hauses sein Fundament zu verwechseln. In jedem Falle 
• • 
trüge an solchem gedankenlosen Übergang von der sprachlichen 
zur sachlichen Gleichsetzung der Sprachgebrauch nicht allein 
die Schuld. 
Und außerdem ist zu bedenken, daß ja gewiß nicht in völlig 
gleicherweise alle die genannten Dinge mein genannt werden. 
Nicht unmittelbar, sondern nur mittelbar, d. h. durch meinen 
• • 
Körper hindurch, habe ich Macht über meine Acker und 
Wiesen. Darum muß ich genauer sagen: Mein Körper, das ist 
dasjenige Ding, über das ich unmittelbar Macht habe oder 
das meine unmittelbare „Machtsphäre“ bezeichnet. Diese Un¬ 
mittelbarkeit und andererseits die Mittelbarkeit der anderen 
Machtsphären und die Grade ihrer Mittelbarkeit wird man gut 
tun, in der Psychologie wohl zu beachten. 
Andererseits haben wir im obigen zwei wohl zu unter¬ 
scheidende Arten des mein oder des Gebundenseins an mich 
durch das Bewußtseinserlebnis der Tätigkeit oder wie wir auch 
sagen können, zwei Arten der Tätigkeit, kennen gelernt. Ich 
bezeichnete die beiden Arten des Gebundenseins oder der Tätigkeit 
oben schon mit den Namen ideell und real. Auch meine Traum¬ 
gebilde sind mein. Und auch hier gibt das Tätigkeitserlebnis 
dem „mein“ seinen Sinn. Ich weiß mich vorstellend tätig. 
Und ich weiß gar nicht, wie ich dazu kommen sollte, von einer
        

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