Bauhaus-Universität Weimar

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Zar Einfühlung. VI. Einfühlang and Urteil. 
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Der „Gegenstände“, dies heißt in unserem Falle dessen, was 
Pflicht oder Recht ist, dessen, was unbedingt sein soll, z. B. 
der Tat, die getan werden soll, des Geschehens in der Welt, 
das recht ist, der Gesinnung, die Menschen haben sollen. 
Sondern er ist in seinem Handeln bedingt durch seine 
individuelle Natur und Eigenart, nämlich eben sofern diese 
mit dem Gebote der Gegenstände übereinstimmt, sofern also 
der Zug seines eigenen Wesens ebendahin geht, wohin die 
Forderungen der Gegenstände weisen, oder, um noch einmal 
an unser obiges Gleichnis zu erinnern, sofern sein freies Wollen 
mit diesen Forderungen von sich aus „parallel“ geht. 
Natürlich aber bin ich mir bei allem dem wohl bewußt, 
daß derjenige, der das „Handeln aus Pflicht“ und das „Handeln 
aus Neigung“ in grundsätzlichen Gegensatz stellt, das Wort 
„Neigung“ in besonderem und engerem Sinne nimmt, so daß 
dadurch die pflichtgemäße Neigung oder der innere Zug zum 
Rechten ausgeschlossen ist. 
Im übrigen ist hier, wie man leicht sieht, der Punkt, wo 
wir eher als sonst der Gefahr unterliegen, uns durch das 
Pathos der Worte über ihren Sinn betrügen zu lassen. Manchem 
mag auch dann das Wort Pflicht und Pflichttreue erhaben 
klingen, wo es ein bloßer leerer Name ist und in Wahrheit 
etwas ganz anderes meint, als die Pflicht, vielleicht die Enge 
des Geistes und des sittlichen Bewußtseins, die Liebedienerei 
der äußeren Macht gegenüber, oder das Vorurteil und die 
blinde Gewohnheit. „Denn aus Gemeinem ist der Mensch ge¬ 
macht“ usw. 
Um aber das Verhältnis des Urteils oder genauer des Urteils¬ 
aktes zur Einfühlung deutlicher anzugeben, müssen wir nun noch 
einmal auf verschiedene Arten des Urteilens wenigstens kurz 
hinweisen und ihnen die ihnen entsprechenden Arten der Ein¬ 
fühlung gegenüberstellen. Jeder Urteilsakt, so haben wir zur 
Genüge gesehen, ist das Erleben und die Anerkennung einer 
Gegenstandsforderung oder eines von einem Gegenstand aus¬ 
gehenden und eben damit unbedingten So Ile ns. Was aber der 
Gegenstand von uns fordert, ist jederzeit ein Tun oder ein Akt. 
Lipps, Psychol. Untersuch. II. *7
        

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