Bauhaus-Universität Weimar

Zur Einfühlung. VI. Einfühlung und Urteil. 
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Begriff der gegenständlichen Bedingtheit vollen Ernst machen 
und alles in Rechnung ziehen, was dieser Begriff in sich schließt, 
die Begriffe der gegenständlichen Bedingtheit von Bestimmtheiten 
meiner einerseits und der Einfühlung anderseits gleichbedeutend. 
Noch in anderer Weise aber als der jetzt besprochenen scheine 
ich durch Obiges in Widerspruch mit mir selbst getreten zu 
sein. Eine Landschaft, so meinte ich zuerst, könne für mich 
heiter sein, auch wenn ich selbst es nicht bin. Und dann sagte 
ich, für uns wenigstens habe die Aussage, die Landschaft sei 
heiter, den Sinn, daß derjenige, der sie tue, zu verstehen geben 
wolle, er stelle die Landschaft vor und fühle dabei oder erlebe 
in sich die Gemütsverfassung der Heiterkeit, die ihm aber als 
eine Bestimmtheit der Landschaft erscheine. Und meine Absicht 
war nun darauf gerichtet, die Frage zu beantworten, wie denn 
eine Bestimmtheit meiner, die ich in mir erlebe, für mich eine 
Bestimmtheit eines beliebigen mir gegenüberstehenden Gegen¬ 
standes sein könne. 
Aber hier müssen wir eben unterscheiden zwischen den beiden 
Möglichkeiten: Daß eine Gemütsverfassung wie die Heiterkeit 
in mir sei und daß ich heiter sei. 
Nur von solchen Gemütsverfassungen überhaupt ist hier die 
Rede, in denen bzw. in deren Eigenart eine Auffassungs¬ 
tätigkeit sich auswirkt. Immer aber fragt es sich dabei, wie 
weit die Auffassungstätigkeit sich auswirken kann. Und nur, wenn 
die Art einer Auffassungstätigkeit, sich auszuwirken, mein ganzes 
Wesen erfüllt oder, wie ich ehemals mich ausdrückte, die 
Tendenz in einer allgemeinen Stimmung sich zu erweitern, zur 
Herrschaft kommt, sagen wir, daß wir heiter seien oder ge¬ 
drückten Wesens oder ernst oder, daß wir sonst etwas der¬ 
gleichen seien. Kurz, die Stimmung, von der wir sagen, daß 
wir in ihr uns befinden, ist jederzeit die Gesamtstimmung. 
Aber neben der einen Auffassungstätigkeit fehlen nie ganz 
die anderen, in denen eine gleichartige Tendenz ist und die die 
von jener ausgehende Stimmung abzulenken oder aufzuheben 
drohen. Und auch Nachwirkungen vergangener und im Be¬ 
wußtsein nicht mehr lebendiger Erfahrungen können die Grund¬ 
richtung einer Stimmung bedingen.
        

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