Bauhaus-Universität Weimar

Klänge und Geräusche. 
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gemein. Nur sind diese Einheiten beim ersten Ton letzte Elemente, 
beim zweiten Einheiten aus je zwei solchen Elementen. Die beiden 
Schwingungsfolgen sind, so können wir kurz sagen, rhythmisch 
verwandt. Sie sind es im höchsten Grade. Ebenso sind, aber in 
abnehmendem Grade, die Schwingungsfolgen der Töne von 200 und 
300, der Töne von 300 und 400 usw. Schwingungen rhythmisch 
verwandt. 
Den rhythmischen Charakter der Schwingungsfolgen nun und 
ihre rhythmische Verwandtschaft müssen wir in den Tonempfindungs¬ 
vorgängen irgendwie wiederkehrend denken. Dann sind also die 
Empfindungen konsonanter Töne in dem Maße, als dieselben kon¬ 
sonant sind, rhythmisch verwandt, d. h. durch einen gemeinsamen 
Grundrhythmus aneinander gebunden. Sie sind einfachere, oder, 
bei abnehmender Konsonanz, minder einfache Differenzierungen eines 
und desselben Grundrhythmus. 
Dagegen durchkreuzen sich die Rhythmen dissonierender Töne 
um so mehr, je mehr dieselben dissonieren. 
Die hier gemachte Annahme — der Wiederkehr des rhyth¬ 
mischen Charakters und der rhythmischen Verwandtschaft der 
Schwingungsfolgen in den zugehörigen Tonempfindungsvorgängen 
— ist gefordert durch mancherlei Umstände. 
Einmal durch die Tatsache, von der wir hier ausgingen, d. h. die 
Tatsache, daß Töne um so leichter verschmelzen, je konsonanter 
sie sind. Verschmelzung ist überall durch Gleichartigkeit bedingt. 
Eine Gleichartigkeit der Empfindungen konsonanter Töne ist also bei 
der Verschmelzung von Tonen zu Klängen gefordert. Diese Gleich¬ 
artigkeit aber ist verständlich nur aus der Annahme, daß die Gleich¬ 
artigkeit der Schwingungsfolgen auf die Empfindungsvorgänge 
irgendwie sich überträgt. 
Dazu kommt dann das Gefühl der Identität, das wir haben, 
wenn wir einen Ton und den ihm nächstverwandten, seine Oktave, 
nacheinander hören. Die Gleichartigkeit dieser beiden Töne wird 
bestätigt durch die weitere Tatsache, daß wir in Gefahr sind, die¬ 
selben miteinander zu verwechseln. 
Vor allem aber muß hier auf die Tatsache des Konsonanz¬ 
gefühles hingewiesen werden. Dasselbe ist ein Gefühl der inneren 
Einstimmigkeit, wie es überall entsteht und nur entsteht, wenn ein 
Lipps, Psychologie. 6
        

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