Bauhaus-Universität Weimar

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Die Apperzeption. 
Dieser nun tritt gegenüber die empirische Apperzeption. In ihr 
frage ich nicht nach dem Recht oder der Geltung einer Qualität, 
sondern nach dem Rechte des Daseins eines qualitativ Bestimmten 
für mich. Ich frage, ob dies Dasein des Gegenstandes, oder sein 
Vorgestelltsein, im Gegenstand gegründet, durch ihn gefordert ist, 
kurz sachliches Recht oder sachliche Geltung hat. 
Die Antwort darauf ist das Bewußtsein der Wirklichkeit oder 
Nichtwirklichkeit des vorgestellten Gegenstandes. Das Bewußtsein 
der Wirklichkeit ist das Bewußtsein, daß das Vorgestelltsein des 
Gegenstandes sein Recht ist, daß — nicht die Qualität eines Gegen¬ 
standes, sondern die Vorstellung desselben gilt oder sachlich be¬ 
gründet ist. Es ist das Bewußtsein der objectiven, d. h. eben der 
dem Gegenstand zukommenden, oder das Bewußtsein seiner eigenen, 
Existenz. 
Die objektive Qualität, oder die Qualität des Gegenstandes, 
ist die Qualität, die dem Gegenstand an sich oder für sich zu¬ 
kommt, im Gegensatz zur Qualität, die ihm in meinem Bewußtsein, 
d. h. die meinem entsprechenden Bewußtseinsinhalt zukommt. Die 
letztere ist eine subjektive, oder für mich bestehende Qualität. In 
gleicher Weise ist die objektive Existenz die Existenz des Gegen¬ 
standes an sich oder für sich, im Gegensatz zum bloßen Dasein 
für mich. 
Neben jener qualitativen und dieser empirischen steht endlich 
drittens die Wertapperzeption. Ich betrachte den Gegenstand 
nach seiner Wertseite, frage danach, was er für mich bedeutet, fasse 
ihn in seiner Beziehung zu meiner wertenden Persönlichkeit, und 
gewinne auf Grund davon das Bewußtsein des objektiven, d. h. des 
dem Gegenstand eigenen Wertes; oder des Wertes, den der Gegen¬ 
stand an sich hat. Dies ist nichts anderes als das Bewußtsein, 
welche Wertung der Gegenstand »fordert«, oder welche Wertung 
von ihm »gilt«. 
Wird aus dem Werten das Wollen, so verwandelt sich die Forde¬ 
rung des Wertens in die Forderung des Wollens. Hiefür haben wir 
einen besonderen Namen. Das vom Gegenstand oder das sachlich 
geforderte Wollen ist das »Sollen«. Davon später. 
Die drei Fragen: nach der Qualität eines Gegenstandes, nach 
seinem Dasein, und seinem Wert, oder die drei Apperzeptionsrich-
        

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