Bauhaus-Universität Weimar

Das Gedächtnis. 
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Gegenstandes. Was diese Vorstellungen aneinander bindet, ist dies, 
daß in ihnen der identische Gegenstand in identischer Richtung, 
nur eben in sich ausschließender Weise, determiniert ist. 
Unter »Assoziation« ist im vorstehenden die Beziehung zwischen 
psychischen Vorgängen verstanden, welche die Tendenz der Re¬ 
produktion und die Erwartung begründet, und als Leitfaden dient, 
an dem die Aufmerksamkeit fortgleitet. Dagegen ist unter der 
Assoziation nicht verstanden die Weise, wie Empfindungs- oder 
Vorstellungsinhalte im Bewußtsein zueinander hinzutreten oder sich 
zueinander fügen. Nimmt man, wie einige Psychologen tun, die 
Assoziation in diesem letzteren Sinn, so gewinnt selbstverständlich 
die ganze Assoziationslehre einen völlig anderen Sinn. Solche 
»Assoziation« verhält sich zu unserer »Assoziation« wie der Be¬ 
wußtseinserfolg zu seiner jenseits des Bewußtseins liegenden Teil¬ 
bedingung. 
Das Gedächtnis. 
Alle Reproduktion beruht auf Assoziation. Zunächst aber setzt 
sie voraus, daß dasjenige, was reproduziert werden soll, in der Seele 
eine Nachwirkung hinterlassen habe. Diese Nachwirkung nennen 
wir die Gedächtnisspur oder die Gedächtnisdisposition des zu Re¬ 
produzierenden. Jener Ausdruck weist nach rückwärts, dieser nach 
vorwärts. Die Gedächtnisspur oder -disposition ist eine an sich 
nicht näher bekannte psychische Zuständlichkeit. Ob dieselbe phy¬ 
siologisch als dauernde Zuständlichkeit in irgendwelchen Gehirn¬ 
zellen näher bestimmt werden kann oder nicht, ist hier gleichgültig. 
Zweitens bedarf es zur Reproduktion eines Vorganges, der als 
reproduktiver Reiz auf die Gedächtnisspur wirkt und sie wiederbelebt. 
Endlich bedarf es der Beziehung zwischen diesem Vorgang und 
der zu reproduzierenden Vorstellung, vermöge welcher dieser Vor¬ 
gang als reproduktiver Reiz zu wirken vermag. Diese Beziehung ist 
die Assoziation. 
Erfahrungsassoziation kann selbst als eine Gedächtnisspur be¬ 
zeichnet werden, nämlich von der im Zusammentreffen der Vorgänge 
geschehenen Verwebung oder Verflechtung derselben zu einem 
Gesamtvorgang. Die Gedächtnisspuren der einzelnen Vorgänge 
und ihre Verwebungen oder Verflechtungen machen das Gedächtnis 
Lipps, Psychologie. .
        

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