Bauhaus-Universität Weimar

46 
Grundlegung. 
Zusätze zu den Assoziationsgesetzen, 
Die mitunter versuchte Rückführung der Assoziation der Ähn¬ 
lichkeit oder Übereinstimmung auf Erfahrungsassoziation ist unmög¬ 
lich. Vielmehr ist die Ähnlichkeitsassoziation die Grundassoziation. 
Auch die Wirksamkeit der Erfahrungsassoziation setzt dieselbe voraus. 
Erinnert mich eine Stimme, die ich höre, an die Gestalt des Men¬ 
schen, dem die Stimme erfahrungsgemäß zugehört, so ist mein 
gegenwärtiges Gehörsempfindungserlebnis doch demjenigen, das mir 
ehemals zuteil ward, nicht absolut gleich, sondern nur ähnlich. 
Und wären auch beide Erlebnisse einander gleich, so wären sie 
doch nicht identisch. Nur mit der ehemals gehörten Stimme oder 
dem ehemaligen Gehörsempfindungserlebnis aber hat sich in meiner 
Erfahrung die Gestalt, genauer die optische Wahrnehmung derselben, 
verknüpft. Es muß also die jetzt gehörte Stimme die Gestalt repro¬ 
duzieren durch die ihr gleiche oder ähnliche hindurch. Und damit 
nun ist eine Ähnlichkeitsassoziation statuiert. Ähnlichkeitsassoziation 
besagt allgemein nichts anderes, als daß ein Erlebnis auf ein anderes 
vermöge der Ähnlichkeit oder Gleichheit zwischen beiden hinwirkt. 
Dagegen lassen sich allerdings beide Assoziationsarten unter 
einem einzigen Namen befassen. Beide Gesetze der Assoziation 
sind Gesetze der Einheitlichkeit des seelischen Geschehens. Das 
Gesetz der Ähnlichkeitsassoziation ist ein Gesetz der qualitativen, 
das Gesetz der Erfahrungsassoziation ein Gesetz der empirischen 
Einheitlichkeit. 
Und es lassen sich noch bestimmter beide Gesetze bezeichnen 
als Gesetze der Vervollständigung oder der Totalität. Ist ein A 
einem B ähnlich, so haben sie beide ein a gemein. A ist aa, B 
ist ha. Es ist also in A zugleich ein Teil des B, nämlich das in 
beiden enthaltene «, gegeben. Demgemäß kann die Tendenz des 
Auftretens des B im psychischen Lebenszusammenhange, nachdem 
das A darin aufgetreten ist, als eine Tendenz der Vervollständigung 
dieses a zu B bezeichnet werden. Wiefern das Gesetz der Er- 
fahrungsassoziation ein Gesetz der Vervollständigung ist, braucht 
nicht mehr gesagt zu werden. 
Bei alledem bleibt doch der Gegensatz zwischen beiden Asso¬ 
ziationsarten bestehen. Die Assoziation ist Ähnlichkeitsassoziation,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.