Bauhaus-Universität Weimar

34 
Grundlegung. 
anderen auf den demselben zugrunde liegenden oder darin erschei¬ 
nenden realpsychischen Tatbestand. 
Der realpsychische Tatbestand nun, der dem Aufmerksamkeits¬ 
phänomen zugrunde liegt, kann allgemein bezeichnet werden als 
eine stärkere oder minder starke psychische Wirkung desjenigen, 
worauf die Aufmerksamkeit gerichtet ist. Es sei etwa die Auf¬ 
merksamkeit auf eine Farbe gerichtet. Dies besagt, daß die 
Empfindung der Farbe, dieser psychische Vorgang, jetzt mein psy¬ 
chisches Geschehen vor anderen Vorgängen bestimmt. So ist über¬ 
haupt die auf einen empfundenen, wahrgenommenen, vorgestellten 
Gegenstand gerichtete Aufmerksamkeit gleichbedeutend mit der 
psychischen Wirksamkeit der Empfindung, Wahrnehmung, Vor¬ 
stellung. 
Diese Wirksamkeit geht nach verschiedenen Richtungen : Das Er¬ 
lebnis, dem die Aufmerksamkeit zugewendet ist, verdrängt Anderes. 
Es behauptet sich selbst länger im Bewußtsein. Es tritt, wenn es 
komplexer Natur ist, d. h. aus mehrfachen Elementen oder Teilen 
besteht, vollständiger ins Bewußtsein. Es reproduziert, was zu ihm 
gehört. Es weckt die ihm zugehörigen Gefühle, bestimmt mein 
Wollen usw. 
Statt »psychische Wirksamkeit« können wir hier ebensowohl 
setzen: »psychische Kraft«. Von Kraft sprechen wir ja überall um 
irgendwelcher Wirkungen oder Leistungen willen. Und wir be¬ 
messen die Größe einer Kraft nach der Höhe der Leistungen. Die 
auf einen vorgestellten Gegenstand gerichtete Aufmerksamkeit ist 
also nichts anderes als die psychische Kraft der Vorstellung dieses 
Gegenstandes. 
Die Frage, ob etwa die auf eine Empfindung gerichtete Auf¬ 
merksamkeit auch bewirke, daß der Empfindungsinhalt größere 
Intensität gewinne, ob etwa die Aufmerksamkeit auf einen gehörten 
Ton diesen Ton für mich lauter mache, ist zu verneinen. Die Be¬ 
schaffenheit der Empfindungsinhalte, also auch die Lautheit eines 
Tones, muß gedacht werden als ein für allemal bestimmt durch den 
an die Seele kommenden physiologischen Reiz. 
Damit ist doch nicht ausgeschlossen, daß an die Aufmerksam¬ 
keit motorische Wirkungen sich knüpfen, durch welche eine gün¬ 
stigere Bedingung für das Entstehen und die Kraft des physiolo-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.