Bauhaus-Universität Weimar

Aufmerksamkeit. 
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unterscheiden die Gemeingefühle. Als solche darf man alle die 
später zu erwähnenden »allgemeinen Zustandsgefühle« bezeichnen. 
In diese können alle möglichen Empfindungen, vor allem aber 
auch jene Gemeinempfindungen, als Bedingungen eingehen. 
Besonders hervorzuheben sind schließlich noch die Schmerz¬ 
empfindungen. Man wird anzunehmen haben, dass sie entstehen, 
wenn die gereizten Nerven durch die Reizung nicht nur zu der 
ihnen natürlichen Funktion veranlaßt werden, sondern durch dieselbe 
ein schädigender Eingriff in ihre Struktur geschieht. Daher er¬ 
geben die verschiedenartigsten Reize, wenn ihre Intensität über eine 
gewisse Grenze hinaus wächst, Schmerzempfindungen. 
III. Kapitel: Aufmerksamkeit und Bewußtsein. 
Aufmerksamkeit, 
Daß ein Empfindungsvorgang durch einen körperlichen Reiz 
ausgelöst wird, besagt nicht ohne weiteres, daß der zugehörige 
Empfindungsinhalt entsteht. Ich sehe vielleicht, indem ich nach 
dem wolkenlosen Abendhimmel blicke, an einer bestimmten Stelle 
einen dort sichtbaren Stern nicht, d. h. ich erlebe nicht den Inhalt, 
den ich als Stern oder als Bild eines Sternes bezeichne. Nun aber 
sagt man mir: Da ist ein Stern, und lenkt meine Aufmerksamkeit 
auf den Stern hin; und jetzt sehe ich den Stern. Es bedarf darnach, 
damit ein psychischer Vorgang den ihm entsprechenden Bewußt¬ 
seinsinhalt ins Dasein rufe, außer der Auslösung des Vorganges 
noch der Aufmerksamkeit. 
Von Aufmerksamkeit nun reden wir zunächst um eines jedermann 
bekannten, aber nicht näher beschreibbaren unmittelbaren Erleb¬ 
nisses willen: Ich fühle mich, das unmittelbar erlebte oder das Ge- 
fühls-Ich, mehr oder minder innig auf einen Gegenstand bezogen, 
darauf gerichtet, darin oder dabei. 
Hiermit ist die »Aufmerksamkeit« bezeichnet, sofern mit dem 
Worte das unmittelbare Bewußtseinsphänomen der Aufmerksamkeit 
gemeint ist. Wie jede psychische Tatsachenfrage, so hat aber auch 
die nach der Aufmerksamkeit einen doppelten Sinn. Sie zielt einmal 
auf das unmittelbare Bewußtseinserlebnis oder das Phänomen, zum 
Lipps, Psychologie. 
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