Bauhaus-Universität Weimar

Die übrigen Sinne. 
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Temperaturpunkte, und endlich auch Schmerzpunkte der Haut unter¬ 
scheidet. 
Bewegungsempfindungen im weiteren Sinne sind alle diejenigen 
Empfindungen, die unmittelbar aus den Bewegungen des Körpers 
und der Lage der Glieder zueinander entstehen. Dazu gehören 
auch gewisse Tastempfindungen; insbesondere Empfindungen der 
Dehnung und Pressung der Haut. Bewegungsempfindungen im 
engeren Sinne sind die »kinästhetischen« Empfindungen. Dieselben 
können auch als eine Art der inneren Tastempfindung bezeichnet 
werden. Sie sind : Empfindungen der Kontraktion der Muskeln 
und Sehnen, und Empfindungen des Druckes und der Reibung 
in den Gelenken. Nennt man die ersteren Spannungsempfindungen, 
so tut man dies, wie schon oben gesagt, weil ihre Herbeiführung 
von einem Spannungsgefühl, d. h. einem Gefühl der Willens¬ 
anstrengung, begleitet zu sein pflegt. Daß dies Spannungsgefühl 
zugleich ein Gefühl eines bestimmten Kraftaufwandes ist, hat dazu 
verführt, die Kontraktionsempfindungen, oder gar die Gelenkempfin¬ 
dungen, auch als Kraftempfindungen zu bezeichnen. In Wahrheit kann 
man Kraft so wenig empfinden, als man Töne sehen kann. Kraft 
ist erlebbar einzig als fühlbare Kraft meines Wollens und mich 
Bemühens. Ebensowenig hat es Sinn, das »Widerstandsgefühl« mit 
irgend einer der hier in Rede stehenden Empfindungen zu identi¬ 
fizieren. 
* Sofern das Bewußtsein der Schwere das Bewußtsein eines 
beim Heben oder Tragen des schweren Gegenstandes zu über¬ 
windenden Widerstandes, einer dazu erforderlichen Bemühung, einer 
dazu aufzuwendenden Kraft ist, ist auch die sogenannte »Schwere¬ 
empfindung« ein Gefühl, nämlich eben dieses Widerstandes, dieser 
Bemühung, dieses Kraftaufwandes. 
* Gesetzt, ich hebe einen Gegenstand mit stärkerem Anfangs¬ 
impuls — etwa weil ich vorher schwerere Gegenstände gehoben 
habe, oder weil der zu hebende Gegenstand eine größere räumliche 
Ausdehnung besitzt, und darum seine Hebung einen größeren Kraft¬ 
aufwand zu erfordern scheint —, so vollzieht sich der Fortgang 
der Hebung mit geringerer Bemühung. Daraus ergeben sich die 
bekannten Gewichtsunterschätzungen. Ich habe mir eben durch den 
stärkeren Anfangsimpuls die Hebung im Ganzen »leichter«
        

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