Bauhaus-Universität Weimar

Strebungs- und Selbstgefühl. 
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heit zu glauben, des »Annehmens«, des Sichsträubens gegen die 
Anerkennung einer logischen Forderung, der Nötigung oder des 
Zwanges der Anerkennung usw. 
Das Gefühl des Tuns ist aber hier noch besonders zu be¬ 
trachten. In ihm erlebe ich in besonderer Weise mich »selbst«. 
Es ist nicht bloßes Ichgefühl wie alle Gefühle, sondern es ist das 
Selbstgefühl, nämlich das positive Selbstgefühl. Auch das Selbst¬ 
gefühl, das ich habe in der Betrachtung meiner Fähigkeiten, Ver¬ 
mögen, Kräfte, ist Gefühl des Tuns oder der Tätigkeit. Ich kann 
die »Kräfte« oder »Vermögen« vorstellen, nur indem ich sie in Ge¬ 
danken, sei es auch bloß versuchsweise, sich verwirklichen lasse, in¬ 
dem ich also in meinen Gedanken »tätig« bin. 
Das Tätigkeitsgefühl gehört, wie wir wissen, verschiedenen Sphä¬ 
ren an. Es ist Gefühl des perzeptiven, des apperzeptiven, 
des assoziativen Tuns; Gefühl der Tätigkeit der Erinnerung und 
Phantasie; Gefühl der aktiven Zuwendung der Aufmerksamkeit 
zu Gegenständen der Wahrnehmung, Erinnerung, Phantasie; Gefühl 
der Tätigkeit des Erfassens, Festhaltens, Sichversenkens, Sichvertiefens, 
der aktiven Vereinheitlichung oder Sonderung, des Abstrahierens 
usw. ; Gefühl des strebenden Fortgehens am Leitfaden der Assozia¬ 
tionen. Es ist weiter Gefühl der intellektuellen Tätigkeit, des Be¬ 
sinnens, Fragens, Nachdenkens, Forschens. Es ist endlich Gefühl 
des praktischen, nach außen gerichteten Tuns. Auch dies ver¬ 
dient doch den Namen eines Tuns nur, sofern es innerliches Tun 
ist. Das Besondere an ihm ist, daß es gerichtet ist auf das Haben 
von Bewegungsempfindungen. Die daraus resultierenden körper¬ 
lichen Vorgänge sind kein Tun, sondern ein physikalisches Ge¬ 
schehen. 
Das positive Selbstgefühl, d. h. das Gefühl des Tuns, ist an sich 
lustvoll. Dies muß so sein, da es in der Natur des »Tuns« liegt, 
ein von der Persönlichkeit, ihrer Gesetzmäßigkeit oder ihren natür¬ 
lichen Tendenzen, getragenes psychisches Geschehen zu sein, ein 
Geschehen, in welchem die »Natur der Seele« sich auswirkt. 
Das positive Selbstgefühl ist, kurz gesagt, Selbstwertgefühl. 
Dies heißt nicht: Es ist »Gegenstand« der Lust, oder ich fühle 
Lust angesichts des von mir betrachteten Tuns, sondern: Indem 
ich das Tun fühle, fühle ich Lust. D. h. das Tun selbst ist lust-
        

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