Bauhaus-Universität Weimar

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Die Gefühle. 
eine ist der Anspruch des Vorganges auf die Aufmerksamkeit oder 
die Apperzeption, kurz die »Energie« des Vorganges oder der Vor¬ 
stellung des zu apperzipierenden Gegenstandes. Die andere ist die 
natürliche Bereitschaft der Seele zu solcher Apperzeption. Die 
Lust ist um so höher, je größer der Anspruch eines Vorganges, und 
je größer gleichzeitig in der Seele die Bereitschaft ist, diesem An¬ 
spruch zu genügen. 
Dagegen ist die Unlust das Bewußtseinssymptom des Gegen¬ 
satzes zwischen dem die Aufmerksamkeit oder die Apperzeption be¬ 
anspruchenden Vorgang, und der Bereitschaft der Seele, diesem 
Anspruch zu genügen. Sie wächst mit der Höhe des Anspruches 
und dem Mangel der »Bereitschaft«. 
Diese »Bereitschaft« ist nun näher zu bestimmen. Hierbei aber 
fassen wir zunächst speziell die Gegenstandswertgefühle ins 
Auge; genauer die Gefühle der Lust an Gegenständen, oder die 
Gefühle der Lust, die aus der Apperzeption eines Gegenstandes 
entspringen, und demgemäß auf diese Gegenstände als solche un¬ 
mittelbar bezogen erscheinen. 
Und dabei unterscheiden wir wiederum zwischen Form- und 
Elementargefühlen. Wir bezeichnen mit jenem Namen die Gefühle 
der Lust bzw. der Unlust, die an einem Gegenstand haften um 
seiner »Form«, d. h. um der Wechselbeziehung seiner Teile willen. 
Dagegen nennen wir Elementargefühle solche Gefühle der Lust bzw. 
Unlust, die an einem Gegenstand haften, der für unser Bewußtsein 
einfach ist, z. B. an der einfachen Farbe, dem einfachen Ton usw. 
Die »Formgefühle« sind darnach nichts anderes als Gefühle der 
Lust bzw. Unlust, die an komplexen Gegenständen als solchen 
haften. 
Wir haben nun ehemals gesehen: Es liegt in der Natur der Seele 
die Tendenz, ein zumal gegebenes Mannigfaltiges in ein möglichst 
inniges Ganzes zu verweben oder möglichst innig zu vereinheitlichen. 
Und es entspricht der Natur der Seele andererseits die selbständige 
Erfassung des Einzelnen. 
Demgemäß ist von Lust begleitet der, ein Mannigfaltiges in sich 
schließende, komplexe Gegenstand, wenn derselbe vermöge der Ein¬ 
heitsbeziehungen zwischen seinen Teilen oder Elementen und der 
Beschaffenheit der letzteren dieser doppelten Tendenz der Seele
        

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