Bauhaus-Universität Weimar

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Die Gefühle. 
als solchen, sondern indem ich ihn apperzipiere hinsichtlich seines 
Wertes, d. h. hinsichtlich seiner Bedeutung für mich, oder hinsichtlich 
der Weise, wie er mich »affiziert«. Und hier ist sogleich zu 
korrigieren: Nicht der Gegenstand affiziert mich — da dies Affizieren 
ein Wirken ist, und Gegenstände psychisch nicht wirken — ; sondern, 
was mich affiziert, ist die Vorstellung des Gegenstandes oder seine 
App erzeption. Demgemäß ist das Gefühl des Wertes eines Ge¬ 
genstandes das Bewußtseinssymptom der Beziehung der Apper¬ 
zeption des Gegenstandes zu mir; und nicht schlechtweg »zu 
mir«, sondern zu den in mir gegebenen Bedingungen der Apper¬ 
zeption desselben. 
* Hier erhebt sich aber die Frage: Wie kann eine Wertung eine 
objektive sein, wenn in ihr die Beziehung der Apperzeption des 
Gegenstandes zu den in mir gegebenen Bedingungen meines 
Apperzipierens ihren Ausdruck findet? Darauf gibt die Antwort 
das bereits vorhin Gesagte: Wertgefühle sind ihrer Natur nach nicht 
reine Gegenstandsgefühle. Dies heißt, daß sie ein Moment der 
Subjektivität in sich tragen. Und dieses Moment der Subjektivität 
liegt in der soeben bezeichneten Herkunft derselben begründet. 
* Aber dies schließt doch den Objektivitätscharakter der Gegen¬ 
standswertgefühle nicht aus. Dieselben können einen solchen 
Charakter an sich tragen, sofern sie doch nicht bedingt zu sein 
brauchen durch den gegenwärtigen psychischen Lebenszusammen¬ 
hang, oder mein gegenwärtiges Ich, überhaupt nicht durch das Ich 
eines Momentes. 
* Diesem Ich steht aber zunächst gegenüber die von jedem 
Moment-Ich unabhängige allgemeine Natur des Ich oder der 
Seele, die allgemeinen Tendenzen oder die allgemeine Gesetzmäßig¬ 
keit des Apperzipierens überhaupt. Soweit diese, vom gegenwärtigen 
Ich, überhaupt dem Ich eines Momentes und seinen zufälligen Be¬ 
stimmtheiten und Inhalten unabhängige »Natur der Seele« in einem 
Werten das Bestimmende ist, ist das Werten unbeschadet jener 
selbstverständlichen Subjektivität notwendig ein objektives. Auch 
hier gibt sich in dem Objektivitätsgefühle das Bedingtsein durch ein 
Fremdes, nämlich eben durch dies von den Moment-Ichen unab¬ 
hängige Ich, bzw. die Gesetzmäßigkeit desselben, zu erkennen. Es 
gelangt darin dies mein »apriorisches« Wesen zur Aussprache.
        

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