Bauhaus-Universität Weimar

Instinktbewegvragen. 
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dieselben im Grunde nicht Handlungen heißen. Sondern sie sind 
lediglich durch Empfindungen oder Wahrnehmungen vermöge einer 
ursprünglichen, nicht näher beschreibbaren Einrichtung ausgelöste 
Bewegungen oder Ketten von Bewegungen. Man bezeichnet sie als 
Instinkte vorzugsweise, wenn sie zweckmäßig sind. Die Erklärung 
dieser Zweckmäßigkeit aus der Annahme, die Instinkte seien mecha¬ 
nisierte Willenshandlungen, kann insofern nicht als eine Erklärung 
gelten, als das Entstehen der Willenshandlungen selbst schon allerlei 
höchst zweckmäßige Einrichtungen und Instinkte voraussetzt. 
Sehen wir von der Zweckmäßigkeit ab, so gehören zu den »In¬ 
stinkthandlungen« auch die ungewollten Lebensäußerungen, die Aus¬ 
drucksbewegungen und Ausdruckslaute, von denen früher die Rede 
war. Charakteristisch ist bei diesen der Gegensatz der Spannung 
und Lähmung, des »Sthenischen« und des »Asthenischen«. Der¬ 
selbe entspricht dem Gegensätze der psychischen Erlebnisse, welche 
von den Lebensäußerungen begleitet sind. Er entspricht vor allem, 
wenn die Lebensäußerungen Affekte begleiten, dem Gegensatz der 
belebenden, die psychische Tätigkeit steigernden, und [der disso¬ 
ziierenden, und damit zugleich psychisch lähmenden Wirkung der 
Affekte. Davon war die Rede. 
Im übrigen sind die körperlichen Begleiterscheinungen psychischer 
Zustände zwar eine interessante Sache, aber psychisch, und darum 
auch psychologisch, von sekundärer Bedeutung. Die ihnen ent¬ 
sprechenden Empfindungen, die das psychische Geschehen beglei¬ 
tenden »Organempfindungen«, vor allem die motorischen Empfin¬ 
dungen, sind freilich psychische Vorgänge. Aber dieselben haben, 
sofern sie nicht ausgesprochen lustvoll oder ausgesprochen unange¬ 
nehm oder schmerzhaft sind, in welchem Falle sie naturgemäß zu¬ 
gleich das Streben nach ihrer Festhaltung bzw. Beseitigung auslösen, 
für das psychische Leben, insbesondere für das Gefühls- und Affekt¬ 
leben, abgesehen von dem, was auf S. 294 zu bemerken sein wird, prin¬ 
zipiell keine andere Bedeutung, als beliebige sonstige Empfindungen 
oder Wahrnehmungen, von welchen die psychischen Zustände be¬ 
gleitet sein mögen, etwa die optischen Wahrnehmungen irgend¬ 
welcher gleichgültigen Vorgänge in der Außenwelt, oder die 
Empfindungen der Geräusche, die entstehen, wenn meine Kleider 
an dem Stuhl, auf welchem ich sitze, sich reiben. Sie bedingen,
        

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