Bauhaus-Universität Weimar

Erkenntnistätigkeit. 
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Stauung. Ein Gegenstand etwa ist als wirklich erkannt; und nun 
erscheint der gleiche Gegenstand als nicht wirklich. Die Stauung, 
die aus diesem Widerspruch sich ergibt, drängt zur Mitapperzeption 
der »Umstände«. Genauer gesagt: Sie führt hin zur Apperzeption 
dessen, was mit dem Gegenstand gleichzeitig gegeben, womit der¬ 
selbe also in der Erfahrung unmittelbar verbunden war, und sie 
führt zurück zur Apperzeption dessen, was dem Gegenstände vor¬ 
an ging. Die »Mitapperzeption« ist also eine Apperzeption der 
gleichzeitigen und vor angehenden Umstände. Zugleich bleibt 
es doch bei der Apperzeption des Gegenstandes selbst. Und je 
mehr nun, vermöge der Stauung, mit diesem zugleich jene »Um¬ 
stände« apperzipiert werden, um so sicherer müssen beide zu einem 
neuen einheitlichen Gegenstand werden. Der Gegenstand wird durch 
die apperzeptive Hineinnahme der »Umstände« in einen neuen ver¬ 
wandelt. 
Und gesetzt nun, es ergibt sich, daß die Umstände im einen 
und im anderen Falle verschieden sind, also die Gegenstände zu 
verschiedenen Gegenständen machen, so ist der Widerspruch ge¬ 
schwunden. Es fordern jetzt diese verschiedenen Gegenstände, der 
eine als wirklich, der andere als nicht wirklich gedacht zu werden. 
Sie fordern dies als verschiedene oder unter der »Bedingung« 
dieser Verschiedenheit. Daß sie als verschiedene gedacht werden 
konnten, dies hat sich ja als die Bedingung jdafür erwiesen, daß 
überhaupt sie gedacht, d. h. daß der eine als wirklich, der andere 
als nicht wirklich anerkannt werden konnte. Das Wort »Bedingen« 
besagt hier genau das schon oben Bezeichnete: Die »Bedingung 
eines Wirklichen« oder »der Wirklichkeit eines Gegenstandes« ist 
das in einem Wirklichkeitsbewußtsein Mitgeforderte in dem Sinne, 
daß zugleich seine Negation dies Wirklichkeitsbewußtsein aufhebt. 
Das Gleiche gilt von den Bedingungen des Bewußtseins der Nicht¬ 
wirklichkeit. Statt dessen können wir auch sagen: Die Bedingung 
ist das durch die Forderung der Aufhebung des Widerspruches Ge¬ 
forderte in dem Sinne, daß zugleich seine Negation den Wider¬ 
spruch wiederkehren läßt. 
Vielleicht aber erweist sich die in der bezeichneten Weise voll¬ 
zogene Lösung des Widerspruches zwischen Wirklichkeit und Nicht¬ 
wirklichkeit desselben Gegenstandes als eine nicht endgültige. Es 
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