Bauhaus-Universität Weimar

Die Methoden. 
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Es gibt keine physiologische Methode, Psychologie zu treiben. 
Die einzige Methode der Psychologie ist die psychologische, d. h. 
die Betrachtnng der Bewußtseinserlebnisse und der Schluß daraus. 
Diese Betrachtung kann man allgemein als »innere Wahrnehmung« 
bezeichnen. Mitunter freilich fallt dieselbe mit der äußeren Wahr¬ 
nehmung des Physikers zusammen. Beide, der Psychologe und der 
Physiker, können in gleicher Weise sich bemühen, zu erfahren, was 
in einem gegebenen Fall gesehen oder gehört werde, welche Über¬ 
einstimmungen in dem Empfundenen oder sinnlich Wahrgenommenen 
zu entdecken seien, welche Unterscheidungen gemacht werden 
müssen. Nur geht ihr Interesse nach verschiedenen Richtungen. 
Im übrigen ist die psychologische Beobachtung Festhaltung der \ 
Bewußtseinserlebnisse, die dem Psychologen zuteil geworden sind, 
in der unmittelbar zurückschauenden Betrachtung, oder sie ist s 
Reproduktion des irgend einmal Erlebten. 
Der Vorwurf, daß psychische Erlebnisse, indem sie Gegenstand 
der Beobachtung werden, sich verändern, trifft bei solcher Be¬ 
obachtung nicht zu. Was einmal erlebt wurde, ist eine fertige 
Tatsache, die der Erinnerung ebenso standhält, wie die physi¬ 
kalischen Tatsachen, die jetzt eben beobachtet wurden. Und die 
Möglichkeit solcher Festhaltung des Erlebten und die Möglichkeit 
der Erinnerung ist ja Voraussetzung der Naturwissenschaft, genau 
so gut wie sie Voraussetzung der Psychologie ist. 
Solche psychologische Beobachtung wird von selbst überall 
experimentell werden, zunächst im Sinne des reinen und eigentlichen 
psychologischen Experimentes: Ich realisiere in mir gewisse Ge¬ 
danken oder Vorstellungsbedingungen und überzeuge mich davon, 
was daraus folgt. Die Möglichkeit solchen Experimentierens gibt 
der psychologischen vor jeder sonstigen Beobachtung einen spe¬ 
zifischen Vorzug. 
Neben dieses rein psychologische Experiment tritt dann aber 
das psycho-physische, und zwar in dreifacher Gestalt. Einmal: 
Ein Objekt wird meinen Sinnen vorgeführt; ein Reiz wirkt auf mich; 
und nun stelle ich fest, welche psychische Wirkung daraus sich 
ergibt. Soweit dabei das äußere Objekt oder der auf mich wir¬ 
kende Reiz exakt bestimmbar ist, gewinne ich hieraus einen Zu¬ 
sammenhang zwischen qualitativ bestimmten Bewußtseinserlebnissen
        

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