Bauhaus-Universität Weimar

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Der Wille. 
zur Beschaffenheit der ihm erfahrungsgemäß zugehörigen Blüten, 
Früchte usw. 
Ein assoziatives Streben, das auf Ähnlichkeitsassoziation 
beruht, ist etwa das Streben, solche Töne in der Vorstellung zu 
finden, die zu einer Folge vorgestellter Töne musikalisch passen 
oder »gehören«, oder das Sich-Besinnen, welchen einem jetzt ge¬ 
sehenen Menschen ähnlichen Menschen ich früher einmal gesehen 
habe; zweitens die Erwartung, daß auf eine Folge gehörter 
Töne ein bestimmter musikalisch zu ihm gehöriger Ton folge; 
drittens das apperzeptive Fortstreben von Gegenständen zu gleich¬ 
artigen. 
Das erfahrungsgemäße Sich-Besinnen ist zugleich ein Streben 
nach einem Wissen ; es ist ein Urteilsstreben. Aber es ist lediglich 
ein Streben, ein Wissen, das ich habe, mir zum Bewußtsein zu 
bringen; nicht ein Streben nach einer neuen Einsicht. Dies ist es, 
was dasselbe vom eigentlichen »Erkenntnisstreben« unterscheidet. 
Die erfahrungsgemäße Erwartung kann als objektive oder ver¬ 
standesmäßige, die auf Assoziation der Gleichartigkeit, oder auf 
qualitativer Zusammengehörigkeit beruhende, als subjektive oder 
gefühlsmäßige bezeichnet werden. Die Befriedigung ist dort eine 
solche für den Verstand, hier eine solche fürs Gefühl. 
Das Wirklichkeitsstreben. 
Vor allem wichtig ist uns aber das Streben, das wir bereits 
als Wirklichkeitsstreben bezeichnet haben. Es ist das Streben nach 
Wirklichkeit eines vorgestellten Gegenstandes oder nach dem Statt¬ 
finden, oder der Tatsächlichkeit eines vorgestellten Zusammenhanges. 
Oder psychologisch richtiger gesagt: Es ist das Streben nach dem 
Bewußtsein der Wirklichkeit oder Tatsächlichkeit, nach dem Be¬ 
wußtsein der Geltung einer Vorstellung, oder einer Relation der 
Zusammengehörigkeit zwischen vorgestellten Gegenständen. Nicht 
die tatsächliche, vielleicht aber mir völlig unbekannte Wirklich¬ 
keit des Zieles, sondern einzig mein Bewußtsein davon ist ja 
ein möglicher psychologischer Tatbestand. Ein Ziel ist für mich 
verwirklicht, wenn ich ein Bewußtsein seiner Wirklichkeit habe. 
Ein solches Streben nun liegt an sich in jeder Vorstellung eines
        

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