Bauhaus-Universität Weimar

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Der Wille. 
Das Apperzeptionsstreben. 
Von diesem Perzeptionsstreben ist durchaus zu scheiden das 
Apperzeptionsstreben, oder Streben nach voller Apperzeption. Auch 
die Tendenz jedes Vorganges, auf Kosten aller übrigen apper- 
zipiert, oder in die »apperzeptive Sphäre« aufgenommen zu werden, 
begegnet jederzeit Hemmungen. Die Hemmungen bestehen in der 
gleichartigen Tendenz anderer Vorgänge. Auch dies Streben ist 
seiner Natur nach zugleich ein Wirken, also ein Tun oder ein 
Erleiden. 
Der Gegensatz dieses Strebens zum perzeptiven Streben leuchtet 
ein, wenn wir berücksichtigen, daß ich in meinen Wahrneh¬ 
mungen, ebensowohl wie in meinen Vorstellungen, das Be¬ 
wußtsein der Aktivität und der Passivität des Apperzipierens haben 
kann. Ich fühle mich in jedem Fall aktiv im Apperzipieren des 
lustvollen Gegenstandes. Lustvoll ist, wie oben schon ange¬ 
deutet wurde, und wie wir später genauer sehen werden, ein Gegen¬ 
stand, wenn seine Apperzeption den in der Natur der Seele ge¬ 
gebenen Bedingungen oder Tendenzen der Apperzeption gemäß 
ist, oder davon »getragen« wird. Dagegen fühle ich mich passiv 
in der Apperzeption vor allem des Unlustvollen, dann weiterhin des 
vermöge seiner Größe Eindrucksvollen, oder des Neuen, Außer¬ 
ordentlichen, Wunderbaren, auch des Bekannten; soweit nämlich 
nicht auch hier zum Apperzeptionsanspruche, welchen der einzelne 
Vorgang erhebt, eine in der Natur der Seele liegende Tendenz oder 
»Bereitschaft« zur Apperzeption hinzutritt, oder ihr entgegen¬ 
kommt, d. h. soweit nicht das Große, Neue usw. zugleich ein Lust¬ 
volles ist, oder eine Bedingung des Lustgefühles in sich schließt. 
Hier ist wiederum auf Späteres zu verweisen. 
Wie in das Gebiet der Perzeptionstendenz die Eingebungsvor¬ 
stellungen, so gehören in das Gebiet der Apperzeptionstendenz die 
»Zwangsvorstellungen«. Gemeint sind damit Vorstellungen, 
Gedanken, Erinnerungen, die mich verfolgen, oder die in mir 
eine abnorme Gewalt entfalten. Was hier zugrunde liegt, ist 
eine psychische Dissoziation, eine Lösung der Einheitsbeziehungen, 
die normalerweise bedingen, daß die einzelne Vorstellung andere 
Vorstellungen, die zu ihr gehören, oder zu ihr in Gegensatz stehen,
        

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