Bauhaus-Universität Weimar

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Die Erkenntnis. 
er nur vorgestellt ist. Und er bleibt es für mich, sofern nicht Be¬ 
dingungen seiner Nichtwirklichkeit von mir anerkannt werden müssen, 
auch mit Rücksicht auf die Zeit, in welcher ich ihn weder wahr¬ 
nehme, noch vorstelle. Vorausgesetzt ist nur, daß er als der gleiche 
Gegenstand vorgestellt, d. h. gedacht ist. So verhält es sich ver¬ 
möge des Identitätsgesetzes oder der »Gegenstandsnatur«. 
Indem ich davon ein Bewußtsein habe, ist für mein Bewußtsein 
die »Erscheinung« und der darin erscheinende transzendente Gegen¬ 
stand auch numerisch auseinandergetreten. Sie sind zu zwei 
numerisch verschiedenen Objekten geworden. Auch dabei ist doch 
der Gegenstand zunächst noch mit dem Inhalt qualitativ identisch. 
Indem nun aber der physisch reale Gegenstand als solcher dem 
kausalen Denken oder dem Kausalgesetz, dieser Besonderung des 
Identitätsgesetzes, verfällt, kann es geschehen, daß ich um dieses 
Gesetzes willen den realen Gegenstand ergänzen und umdenken 
muß. 
Auf diesem Wege wird z. B. das flächenhafte Bild der sicht¬ 
baren Gegenstände zur Erscheinung eines dreidimensionalen Gegen¬ 
standes. 
Damit ist jedesmal, wie wir früher sahen, ein Widerspruch ge¬ 
geben. Das Wirkliche müßte auch ein Wahrgenommenes sein. 
Aber wir sahen auch schon, wie dieser Widerspruch sich löst. 
Nämlich durch die Statuierung der subjektiven und eventuell auch 
objektiven Bedingungen der Erscheinung, d. h. der Wahrnehmung. 
Durch das Hinzudenken solcher Bedingungen wird sowohl dies, 
daß in der »Erscheinung« nur ein Teil des Realen erscheint, als 
auch der qualitative Gegensatz der Erscheinung und des Realen 
denkbar. Zugleich ist jetzt erst der Begriff der physischen Er¬ 
scheinung vollständig: Sie ist die unter den besonderen Bedingungen 
der Wahrnehmung stattfindende und durch dieselben inhaltlich mit¬ 
bedingte Wahrnehmung eines physisch realen Gegenstandes. 
Schließlich werden auf diesem Weg auch die Farben, die 
Töne usw. zu Erscheinungen eines, und zwar völlig anders be¬ 
schaffenen Gegenstandes; zu Erscheinungen von Ätherwellen, bzw. 
Luftschwingungen, die mit ihnen selbst keinerlei Ähnlichkeit mehr 
besitzen. 
Und auch dies kann geschehen, daß ein Wahrnehmungsinhalt
        

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