Bauhaus-Universität Weimar

Mchtwirklichkeit. Bedingungen der »Erscheinung«. l6l 
Gegenstand, weil er nicht wahrgenommen wird, für mein Bewußtsein 
auch nicht wirklich. 
* Hier erledigt sich die Tatsache der sogenannten objektiven und 
subjektiven Empfindungen. Alle Empfindungen sind als solche 
subjektiv. Das Reden von objektiven Empfindungen ist also nicht 
statthaft. Aber gemeint sind eben in Wahrheit mit jenen Namen 
subjektive und objektive Empfindungsinhalte. 
* Subjektive Empfindungsinhalte gibt es aber in verschiedenem 
Sinne. Die Bewegungsempfindungsinhalte sind absolut subjektiv, 
d. h. sie erscheinen unmittelbar meinem Wollen untertan. Aber 
auch den Hunger und alle Körperempfindungsinhalte nennt man 
subjektiv. Diese können so heißen, einmal, weil sie dem Körper zu¬ 
gehören, über den ich unmittelbare Macht habe, der darum in spe¬ 
zifischem Sinne »mein«, also subjektiv ist. 
* Damit hängt aber das Andere zusammen : Die Körperempfin¬ 
dungsinhalte können nicht als wirklich gedacht werden, wenn sie 
nicht empfunden sind. Dies darum nicht, weil der Widerspruch 
zwischen dem Bewußtsein ihrer Wirklichkeit und ihrem Nicht¬ 
empfundenwerden nicht durch das Bewußtsein des Wegfalles irgend¬ 
welcher Bedingungen ihres Empfundenwerdens oder »Erscheinens« 
aufgehoben werden kann. Solche besondere Bedingungen der Emp¬ 
findung sind eben hier der Natur der Sache nach ausgeschlossen. 
* Dagegen sind »objektive« Empfindungsinhalte solche, die 
wirklich sein können, ohne empfunden zu werden, weil bei ihnen 
subjektive und objektive Bedingungen der Empfindung vorliegen, 
deren Dasein oder Nichtdasein mir den Gedanken ihrer Wirklichkeit, 
auch wenn sie nicht empfunden werden, ermöglicht. 
* Hiermit stimmt es überein, daß es auch Grade der Subjektivität 
von Empfindungsinhalten gibt. Töne sind subjektiver als Farben, 
weil ihr Empfundenwerden in geringerem Maße an subjektive Be¬ 
dingungen geknüpft erscheint. Wir können das Ohr nicht beliebig 
schließen und wieder öffnen. Andererseits erscheint Wärme als 
subjektiv oder objektiv, je nachdem sie als Wärme meines Körpers, 
oder eines außerhalb des Körpers befindlichen Gegenstandes er¬ 
scheint oder gedacht wird. In jenem Fall ist eben die Empfindung 
an bestimmte erfahrungsgemäße Bedingungen geknüpft, die weg¬ 
fallen können, in diesem Falle nicht. 
Lipps, Psychologie. 
II
        

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