Bauhaus-Universität Weimar

Die »Erklärung«. 
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Die »Erklärung«. 
Endlich besteht die dritte Möglichkeit, daß beide Forderungen 
unbedingte sind. Eine Erfahrung etwa knüpft an einen Gegenstand 
eine Forderung, eine andere an denselben Gegenstand eine Gegen¬ 
forderung. — Ein Experiment etwa, das ich mache, hat ein be¬ 
stimmtes Ergebnis, und dasselbe Experiment hat, bei der Wieder¬ 
holung, nicht dasselbe, sondern an seiner Stelle ein anderes 
Ergebnis. Jetzt fordert dasselbe Experiment, daß ich ihm jenes 
Ergebnis zuerkenne und auch abspreche. 
Hiermit ist ein Widerspruch • gegeben. Der Widerspruch aber, 
der so entsteht, ist nur lösbar unter der Voraussetzung, daß ich den 
einen und selben Gegenstand, sofern er die eine, und sofern er 
die andere Forderung stellt, verschieden determiniert denke, und 
damit denkend zu verschiedenen Gegenständen mache. Es ergibt 
sich also aus der Notwendigkeit der Anerkennung beider Forderungen 
diese neue Forderung. 
Und gesetzt, ich genüge derselben, so habe ich nun drei neue 
Urteile. Von dem Gegenstand, abgesehen von den verschiedenen 
Determinationen, von diesem allgemeinen Gegenstand also, »kann« 
die Forderung und die Gegenforderung gelten. Von diesem Gegen¬ 
stand, sofern er in der einen Weise näher determiniert ist, gilt die 
Forderung. Sofern er dagegen in der anderen Weise determiniert 
ist, gilt von ihm die Gegenforderung. 
Die Frage aber, welche verschiedenen Determinationen des Ge¬ 
genstandes, der die Forderung und die Gegenforderung stellte, ich 
vollziehen kann oder darf, muß mir die Erfahrung beantworten; 
ebenso die Frage, unter Voraussetzung welcher von diesen ver¬ 
schiedenen Determinationen die Forderung, bzw. die Gegenforderung 
gilt. Mit der Beantwortung dieser Fragen ist der Widerspruch der 
Forderung und Gegenforderung gelöst. In solcher Lösung des 
Widerspruchs zwischen erfahrungsgemäßen Forderungen besteht die 
» Erklärung«. 
* Zugleich wird die Möglichkeit, daß von dem undeterminierten 
Gegenstand die Forderung oder die Gegenforderung gelte, zur 
größeren oder geringeren »Wahrscheinlichkeit«, wenn die Er¬ 
fahrung mehr oder weniger voneinander verschiedene Determinationen
        

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