Bauhaus-Universität Weimar

Empirische Wahrscheinlichkeitsurteile. 
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des objektiven Gewichtes, absolut untergeordnet. Dies nimmt jenes 
in sich auf, um es in sich völlig zu verschlingen, d. h. zu negieren. 
Die Resultante aus dieser eigenartigen, absolut unterordnenden Ver¬ 
schmelzung ist eben das — in sich selbst durchaus einfache — Be¬ 
wußtsein der Ungültigkeit. 
* Dabei ist doch noch Eines vorausgesetzt. Dies Ungültigkeits¬ 
bewußtsein ist auf den Inhalt der negierten Forderung bezogen. 
Dies besagt, daß in jener Einheitsapperzeption subjektiv dies 
Negierte übergeordnet oder zum Schwerpunkt der Apperzeption ge¬ 
macht ist. Gesetzt, ich verhalte mich entgegengesetzt, d. h. betone 
apperzipierend den Inhalt der negierenden Forderung, so ge¬ 
winne ich vielmehr das Bewußtsein der gegen eine mögliche Gegen¬ 
forderung sich behauptenden Gültigkeit. So entsteht mir, wenn ich 
einen Baum sehe, der nicht belaubt ist, das negative Urteil, er sei 
nicht belaubt, wenn ich die Möglichkeit des Belaubtseins von 
Bäumen zum apperzeptiven Schwerpunkt mache. Dagegen gewinne 
ich das positive Bewußtsein, er sei so, wie er ist, und dadurch sei 
das Belaubtsein ausgeschlossen, wenn ich das, was ich sehe, in den 
Vordergrund der Apperzeption rücke. Man könnte Urteile der letz¬ 
teren Art speziell als »affirmative« bezeichnen. 
Empirische Wahrscheinlichkeitsurteile. 
Neben dieser Möglichkeit, daß einer bedingten Forderung eine 
unbedingte negierend gegenübersteht, besteht aber die andere: Die 
Forderung sowohl, als die Gegenforderung sind bedingte. Hier er¬ 
gibt sich, solange beide, die Forderung und die Gegenforderung, 
nur einfache, gradlose Möglichkeitsforderungen sind, oder falls ihr 
logisches Gewicht, d. h. ihre Wahrscheinlichkeit gleich ist, aus der 
»antithetischen« Verschmelzung das Urteil der neutralen Möglichkeit 
des einen und des anderen Urteils, oder das Bewußtsein der 
logischen Indifferenz. Es braucht nicht wiederholt zu werden, daß 
eine bedingte Forderung jederzeit nur die Forderung eines all¬ 
gemeinen, d. h. nicht in jeder Hinsicht determinierten Gegenstandes 
sein kann. 
Ist dagegen das logische Gewicht der Forderungen verschieden, 
so wird das Bewußtsein der Indifferenz zum Bewußtsein der
        

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