Bauhaus-Universität Weimar

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Die Apperzeption. 
Das Gesetz der vereinheitlichenden und ebenso das der unter¬ 
ordnenden Apperzeption ist ein Gesetz der psychischen Kr a ft- 
ersparnis. Beide haben im übrigen entscheidende Bedeutung auf 
allen Gebieten des psychischen Lebens. An dieser Stelle sei 
einstweilen speziell hingewiesen auf ihre Bedeutung für das Ge¬ 
dächtnis. 
Die gedächtnismäßige Einprägung eines Ganzen oder eines Zu¬ 
sammenhanges setzt zunächst voraus, daß ich die Teile apperzeptiv 
zueinander hinzunehme, also nicht einen über dem anderen verliere, 
sondern sie zumal festhalte, und in mir zum simultanen Ganzen 
zusammenschließe. Soll aber nicht das Ganze in der Erinnerung 
zerfließen, und nur ein Totaleindruck übrig bleiben, so ist gleich¬ 
zeitig erforderlich, daß das Einzelne die psychische Kraft in ge¬ 
wissem Grade beansprucht, oder eine gewisse eigene psychische 
Größe sich bewahrt. 
Die Möglichkeit nun, ein Vielfaches in der bezeichneten Weise 
zusammenzufassen, ist begrenzt. Daher die Zahl der wiederholten 
Auffassungen, die zur Einprägung eines Zusammenhanges, etwa einer 
Reihe von Silben, erforderlich ist, mit der Zunahme der Zahl der 
Elemente, in dem speziellen Falle der Silben, rasch zunimmt. 
Dabei ergibt sich aber zugleich dies : Der Zusammenschluß 
von Teilen zu untergeordneten Einheiten, der Silben zu sinnvollen 
Worten, und weiter der Worte zu Sätzen, erleichtert die Arbeit der 
Einprägung wesentlich, so daß die Einprägung einer Anzahl von 
mehrsilbigen Worten nicht erheblich viel mehr Wiederholungen er¬ 
fordert, als die Einprägung einer gleichen Zahl von Silben, die 
keinen sinnvollen Zusammenhang ergeben. Hier zeigt sich sehr 
deutlich die Wirkung der Kraftersparnis durch die Vereinheitlichung. 
Weiter aber erweist sich vor allem als für die Einprägung günstig 
jene einfach oder in Stufen sich vollziehende »Differenzierung eines 
Gemeinsamen«, im Verein mit der monarchischen Unterordnung der 
Einheiten unter betonte Elemente. Der Grund ist der oben be- 
zeichnete, nämlich daß hier gleichzeitig einerseits dem Bedürfnis der 
Vereinheitlichung dessen, was zumal aufgefaßt werden soll, und 
zwar in doppelter Weise, entsprochen wird, andererseits doch Teile 
zu relativ selbständigen Teilganzen sich zusammenschließen und eine 
in den herrschenden Punkten gesteigerte, selbständige Eindrucks-
        

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