Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sinnesgenüsse und Kunstgenuss. Beiträge zu einer sensualistischen Kunstwissenschaft
Person:
Lange, Carl
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39700/64/
56 Die Dekoratipn. 
Die Illusion kann deshalb bis zu einem gewissen Grade Zeugniss 
ablegen von der Vollkommenheit, womit ein nachbildendes Kunstwerk 
ausgeführt ist, aber sie ist ganz unvereinbar mit unmittelbarem Kunst¬ 
genuss. 
II. Die Dekoration. 
Das Bestreben, sich durch Ausschmücken der umgebenden Gegen¬ 
stände mit gefälligen Formen und Farben einen Genuss zu bereiten, 
ist so alt, wie die Menschheit selbst, und hat eine unendliche Menge 
von Kunsttechniken und Werken hervorgerufen, die hier gar nicht 
einmal einzeln aufgezählt werden sollen. Alle lassen sich indessen 
— je nachdem, ob es Farben oder Formen sind, die zur Anwendung 
kommen — auf zwei Hauptarten zurükzuführen. Beide Arten will ich 
hier unter den Begriff der Dekoration zusammenfassen, — mit welchem 
Worte oft vorzugsweise der durch Farbenwirkung erzielte Schmuck 
gemeint ist. Das Thema wird auf diese Weise äusserst umfangreich, 
und um nun in Folgendem nicht in einem Athem Gegenstände zu be¬ 
handeln, die ihrem Wesen nach und besonders hinsichtlich ihrer Genuss¬ 
wirkung allzu verschieden sind, will ich hier ganz von deijenigen Art 
der Ausschmückung abstrahiren, die durch Kunstwerke selbstständigen 
Charakters hervorgebracht wird, wie z. B. durch die stimmungsvolle 
Malerei auf einer Vase, durch geistreiche Kompositionen, wie im Vor¬ 
saal der Kopenhagener Universität, oder an der Aussenseite des Thor- 
waldsenmuseums, oder durch die Skulpturen an einem Tempelfries etc. etc. 
Solche Kunstwerke, die ihren Werth behalten würden, selbst wenn sie 
ein selbstständiges Dasein führten, und nicht nur zum Schmuck für 
andere Gegenstände dienten, gehören für diese unsere Betrachtung eher 
in das Kapitel über Maler- und Bildhauerkunst, als zu dem über 
dekorative Kunstformen. 
Die eine von den beiden Hauptmethoden der Dekoration ist also 
die Ausschmückung mit Hilfe der Farbenwirkung. Diese letztere kann 
in der verschiedensten Weise verwendet werden, worauf näher einzu¬ 
gehen hier keine Veranlassung ist. Höchstens kann es von Interesse 
für uns sein, darauf hinzuweisen, dass sehr häufig eine dekorative 
Farben Wirkung ohne Anwendung von Farbstoffen oder farbigen Gegen¬ 
ständen einzig und allein dadurch hervorbringt, dass man dem zu 
dekorirenden Gegenstände eine ungleichmässige Oberfläche giebt, z. B. 
an einer Stelle glatt, an einer anderen rauh, wodurch der ursprüngliche 
Farbenton gebrochen und bald heller, bald dunkler wird, und manch-
        

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